SAP Aktienanalyse: Dank AI-Scare-Trade wieder attraktiv

12.3.2026 | High-Growth-Investing

SAP Aktienanalyse: Dank AI-Scare-Trade wieder attraktiv

SAP gehört zu den wichtigsten Softwareunternehmen Europas und ist mit seinen Lösungen für ERP, Cloud und digitale Geschäftsprozesse tief in den Strukturen vieler Unternehmen verankert. Gerade diese starke Marktposition macht den Konzern zu einem spannenden Kandidaten, wenn kurzfristige Marktsorgen für neue Bewertungsabschläge sorgen. Der jüngste AI-Scare-Trade hat auch SAP belastet und die Aktie wieder attraktiver erscheinen lassen. Doch ist das nur eine kurzfristige Überreaktion des Marktes – oder eröffnet sich hier tatsächlich eine neue Chance für langfristig orientierte Anleger? In unserer Analyse werfen wir einen genauen Blick auf Wachstum, Profitabilität, Cloud-Dynamik und Bewertung, um einzuordnen, ob SAP jetzt wieder ein Kauf sein könnte.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmen stehen heute mehr denn je unter Druck, ihre Prozesse effizienter zu gestalten, Daten intelligent zu nutzen und flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. In diesem Umfeld spielt SAP (ISIN: DE0007164600) seit Jahren eine Schlüsselrolle, indem es entsprechende Softwarelösungen anbietet. Mit seinen Cloud- und ERP-Angeboten ermöglicht SAP die Digitalisierung komplexer Geschäftsprozesse, die Auswertung von Daten in Echtzeit und fundiertere Entscheidungen. SAP ist globaler Marktführer mit tiefem Burggraben. Der Markt wächst dabei solide. Vor allem die Transformation in die Cloud sorgt für Rückenwind. Auch die Aktie entwickelte sich gut – bis Anfang 2025.

Quelle: Entwicklung des Aktienkurses der SAP-Aktie über 20 Jahre

Zuletzt haben sich jedoch die Ängste vor einer disruptiven Wirkung von KI gehäuft. Neue Softwaretools von OpenAI und Anthropic zeigen eindrucksvoll, wozu KI fähig ist. Mit dem Relase von OpenClaw wurde auch konkreter, wie KI-Agenten funktionieren können. Dabei wurde vielen Investoren klar, dass diese Agenten irgendwann möglicherweise viele Funktionen der SAP-Software übernehmen könnten. Die Aktie korrigierte daraufhin stark, ist im historischen Kontext wieder als günstig einzustufen. Aber reicht das für einen Kauf? Die nachfolgende Aktienanalyse zeigt, wie das Unternehmen von diesen globalen Entwicklungen profitiert, welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben und wie SAP seine Strategie, insbesondere in Richtung Cloud und KI, ausrichtet, um auch langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

💡 Das Wichtigste in Kürze 

  • SAP ist der weltweit führende ERP-Softwarekonzern mit tiefen Burggräben.

  • Ein starkes Cloud-Wachstum treibt Umsatz und Ergebnis.

  • KI-Disruptionsängste dürften aufgrund der tiefen Verzahnung mit Unternehmen übertrieben sein. KI ergänzt Prozesse, ersetzt SAP-Systeme jedoch nicht vollständig.

  • Die Bewertung ist attraktiv.

Unternehmensprofil – Marktführer für ERP Software

SAP ist ein deutsches Softwareunternehmen mit Sitz in Walldorf, das im Jahr 1972 gegründet wurde. Im Kerngeschäft entwickelt das Unternehmen betriebswirtschaftliche Software, mit der Firmen ihre zentralen Geschäftsprozesse steuern können. Dazu gehören beispielsweise Buchhaltung, Controlling, Personalwesen, Einkauf, Produktion, Logistik und Vertrieb. SAP unterstützt Unternehmen dabei, ihre Abläufe zu digitalisieren, Daten zentral zu verwalten und datenbasierte Entscheidungen in Echtzeit zu treffen. Auch international hat SAP eine sehr starke Stellung. So zählt das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von fast 200 Milliarden Euro beispielsweise zu den größten Softwareherstellern der Welt und ist Marktführer im Bereich Unternehmenssoftware. Weltweit nutzen Hunderttausende Unternehmen SAP-Lösungen, darunter viele große Konzerne, aber auch mittelständische Betriebe und öffentliche Einrichtungen.

Das Geschäftsmodell von SAP im Detail

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Quelle: AI-Insights von aktien.guide

Das Geschäftsmodell von SAP besteht darin, Unternehmen Softwarelösungen bereitzustellen, mit denen sie ihre Geschäftsprozesse digital abbilden und optimieren können. SAP erzielt dabei Umsätze vor allem durch den Verkauf von Softwarelizenzen, durch wiederkehrende Wartungs- und Supportverträge sowie heute vor allem durch Cloud-Abonnements. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen stark von einem klassischen Lizenzanbieter hin zu einem cloudorientierten Softwarekonzern entwickelt. Damit folgt sie einem Branchentrend, der Kunden anfänglich Kapital sparen lässt und mehr Flexibilität ermöglicht.

Die Cloud – das Wachstumssegment von SAP

Im Bereich Cloud bietet SAP seinen Kunden nicht mehr nur zur Installation auf firmeneigenen Servern an, sondern stellt sie als Dienstleistung über das Internet bereit. Kunden abonnieren diese Lösungen und zahlen regelmäßig, meist monatlich oder jährlich. Die Software läuft dabei in Rechenzentren von SAP oder Partnern, sodass Unternehmen keine eigene Infrastruktur mehr betreiben müssen. Das senkt die Investitionskosten und ermöglicht eine schnellere Einführung neuer Funktionen. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die ERP-Cloudlösung, die Geschäftsprozesse vollständig integriert. Cloud-Umsätze sind nicht nur für Kunden relevant. Auch für SAP ergeben sich Vorteile. So stehen sie für planbare, wiederkehrende Einnahmen und fördern langfristige Kundenbeziehungen. Zudem kann SAP Innovationen schneller ausrollen, da Updates zentral eingespielt werden. Kein Wunder also, dass sie auch heute noch stark gefragt sind. Im Jahr 2025 stiegen die Cloud-Umsätze von SAP um 23 Prozent und machten rund 88 Prozent der Gesamtumsätze aus.

Die alte SAP: Software Lizenzen und Support

Der Bereich „Software-Lizenzen und Support” war lange Zeit das Kerngeschäft von SAP und die Art, wie man früher im klassischen Sinne Software vertrieben hat. Unternehmen erwerben hier eine dauerhafte Nutzungslizenz für eine bestimmte SAP-Software und installieren diese auf eigenen Servern. In der Regel schließen sie zusätzlich einen Wartungs- und Supportvertrag ab. Dafür zahlen sie jährlich eine Gebühr, die meist prozentual am Lizenzwert bemessen wird. Im Gegenzug erhalten sie technische Unterstützung, Sicherheitsupdates, Fehlerbehebungen und Zugang zu neuen Versionen. Auch heute ist es noch von Bedeutung, obwohl viele Kunden schrittweise in die Cloud wechseln.

Chancen und Risiken

Der Markt für Unternehmenssoftware, insbesondere für sogenannte ERP-Systeme, weist einige besondere Eigenschaften auf. Die Produkte sind nämlich sehr komplex und stark erklärungsbedürftig. Zudem werden sie meist über viele Jahre genutzt und das bei Geschäftskunden. Aufgrund der starken Vernetzung der Software und der erforderlichen Fachkenntnisse der eigenen Mitarbeiter sind sie jedoch stark an SAP angebunden. Entsprechend selten wechseln Kunden ihre Kernsoftware, da ein Austausch mit hohen Kosten, einem großen Zeitaufwand und Risiken verbunden ist. Gleichzeitig ist der Wettbewerb intensiv, da auch internationale Technologiekonzerne umfassende Cloud- und Geschäftslösungen anbieten. Zudem haben sich in jüngster Zeit immer mehr fokussierte Start-ups auf Nischen ausgerichtet, die ähnliche Produkte anbieten. Innovation, technologische Weiterentwicklung und Vertrauen spielen somit eine besonders große Rolle. Eine weitere Besonderheit ist die zunehmende Digitalisierung aller Branchen. Unternehmen müssen ihre Prozesse effizienter gestalten, Daten besser nutzen und international vernetzt arbeiten. Themen wie Automatisierung, künstliche Intelligenz, Datensicherheit und regulatorische Anforderungen treiben hier die Nachfrage nach moderner Unternehmenssoftware stark an. Gleichzeitig verändert die Verlagerung lokaler IT-Systeme in die Cloud die Marktstrukturen. Anstelle einmaliger Lizenzkäufe dominieren zunehmend abonnementbasierte Modelle mit regelmäßigen Zahlungen.

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Quelle: AI-Insights von aktien.guide

Für SAP ergeben sich daraus große Chancen. Die fortschreitende Digitalisierung weltweit erhöht die Nachfrage nach integrierten Softwarelösungen. Insbesondere im Cloud-Geschäft liegen Wachstumspotenziale, da zahlreiche Unternehmen ihre Systeme modernisieren möchten und müssen. Wiederkehrende Cloud-Erlöse sorgen für planbare Einnahmen und stabilere Geschäftsmodelle. Zudem kann SAP durch Innovationen in Bereichen wie Datenanalyse oder künstliche Intelligenz zusätzlichen Mehrwert für Kunden schaffen und sich vom Wettbewerb abheben. Auch in Schwellenländern bestehen langfristige Expansionsmöglichkeiten, da viele Unternehmen dort ihre IT-Strukturen erst aufbauen oder modernisieren müssen.

Gleichzeitig bestehen Risiken. Der Wettbewerb durch internationale Software- und Cloudanbieter ist stark, was Preisdruck und hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung erforderlich macht. Auch belastet der Übergang vom klassischen Lizenzgeschäft zur Cloud kurzfristig die Profitabilität, da sich die Umsätze bei Abonnementmodellen über längere Zeit verteilen. Man muss stärker auf den Kundennutzen über die Lebenszeit achten. Zudem können sich große IT-Projekte bei Kunden verzögern oder sogar scheitern, was Auswirkungen auf den Umsatz und den Ruf des Unternehmens haben kann. Ein großes Risiko liegt jedoch in der Abhängigkeit von globalen wirtschaftlichen Entwicklungen, denn gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten verschieben Unternehmen gerne größere IT-Investitionen. Auch Themen wie Datenschutz, Cyberangriffe oder regulatorische Veränderungen können zusätzliche Herausforderungen darstellen.

Wettbewerber von SAP

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Quelle: AI-Insights von aktien.guide

Der Markt für Unternehmenssoftware ist international geprägt und technologisch sehr anspruchsvoll. SAP steht dabei im direkten Wettbewerb mit großen, global agierenden Software- und Cloudanbietern, die ebenfalls integrierte Lösungen für zentrale Geschäftsprozesse anbieten. Insbesondere in den Bereichen ERP, Cloud-Plattformen, Datenanalyse und Unternehmensanwendungen ist der Konkurrenzdruck hoch. Dennoch wird der Markt für Enterprise-Software nur von einer Handvoll Unternehmen dominiert.

Ein zentraler Wettbewerber ist Oracle. Ähnlich wie SAP bietet Oracle umfassende ERP-, Datenbank- und Cloudlösungen an. Das US-Unternehmen ist traditionell vor allem im Bereich Datenbanken sehr stark und investiert massiv in Cloud-Infrastrukturen. Ein weiterer wichtiger Konkurrent ist Microsoft mit seiner Plattform Dynamics und der Cloud-Infrastruktur Azure. Microsoft punktet insbesondere durch die enge Verzahnung der Unternehmenssoftware mit den bekannten Office-Produkten und einer starken Cloud-Basis. Eine bedeutende Rolle spielt auch Salesforce, insbesondere im Bereich Kundenbeziehungsmanagement (CRM). Salesforce ist ein reiner Cloud-Anbieter und war Vorreiter des abonnementbasierten Softwaremodells. In bestimmten Segmenten konkurriert SAP außerdem mit spezialisierten Anbietern, die sich auf einzelne Funktionsbereiche wie Personalmanagement, Finanzsoftware oder Lieferkettenoptimierung konzentrieren.

Quelle: Chart zur Umsatzentwicklung SAP-Peer über 20 Jahre

Eine Besonderheit dieses Wettbewerbs besteht darin, dass große Kunden oft sehr langfristige Entscheidungen treffen. Wer einmal ein ERP-System eingeführt hat, bleibt in der Regel über viele Jahre hinweg diesem Anbieter treu. Daher konkurrieren die Unternehmen stark um Neuimplementierungen, Migrationen in die Cloud und Erweiterungen bestehender Systeme. Entscheidende Erfolgsfaktoren sind dabei technologische Innovation, Integrationsfähigkeit und globale Servicekapazitäten. Gleichzeitig entstehen durch Cloud-Computing und künstliche Intelligenz aber auch neue Wettbewerbsdynamiken. Cloudanbieter können schneller neue Funktionen bereitstellen und flexiblere Preismodelle anbieten. Zudem gewinnen Plattformstrategien an Bedeutung, bei denen Ökosysteme aus Partnern, Entwicklern und Zusatzanwendungen rund um eine Kernsoftware aufgebaut werden. Für SAP bedeutet der Wettbewerb einerseits hohen Innovationsdruck und kontinuierliche Investitionen. Andererseits bietet die große installierte Kundenbasis einen strategischen Vorteil. Unternehmen, die es schaffen, ihre Kunden erfolgreich in moderne Cloudlösungen zu überführen und gleichzeitig neue Märkte zu erschließen, können ihre Marktposition langfristig sichern. Die Umsatzentwicklung der „Big 3” zeigt, dass SAP in den letzten Jahren den Anschluss ein wenig verloren hat, obwohl die Umsätze stetig gestiegen sind. Daran hat sich auch im letzten Quartal nur wenig geändert.

Die letzten SAP Quartalszahlen von Dezember 2025

Im vierten Quartal 2025 wurde dennoch deutlich, dass SAP seinen strategischen Wandel zum Cloud-Unternehmen konsequent weiter umsetzt. Besonders hervorzuheben war hier das starke Wachstum im Cloud-Geschäft. Der Auftragsbestand in diesem Bereich stieg erneut deutlich an, was zeigt, dass viele Unternehmen langfristige Verträge abschließen und ihre Systeme zunehmend in die Cloud verlagern. Auch der gesamte Cloud-Backlog erreichte mit 21 Milliarden Euro ein hohes Niveau, was auf eine stabile und gut planbare Umsatzentwicklung in den kommenden Jahren hindeutet.

Quelle: Finanzdaten von SAP; aktien.guide

Ein zentraler Punkt war die steigende Planbarkeit der Erlöse. Der Anteil der besser vorhersehbaren Umsätze, vor allem aus Cloud-Abonnements und Supportverträgen, stieg weiter an. Das ist aus Investorensicht besonders relevant, da stabile, wiederkehrende Einnahmen das Geschäftsmodell robuster machen und weniger von einzelnen Großabschlüssen abhängig sind. Insbesondere im Bereich der Cloud-ERP-Suite legten die Cloud-Umsätze kräftig zu. Sie stiegen im vierten Quartal 2025 um 23 Prozent auf knapp vier Milliarden Euro. Dies unterstreicht, dass SAP mit seinem Kernprodukt für integrierte Unternehmenssteuerung im Cloud-Modell erfolgreich ist. Gleichzeitig ging das klassische Lizenzgeschäft wie erwartet deutlich zurück. Dieser Trend ist nicht überraschend, sondern spiegelt die strategische Verschiebung vom Einmallizenzverkauf hin zu wiederkehrenden Cloud-Abonnements wider. Insgesamt wuchs der Konzernumsatz daher nur moderat; währungsbereinigt fiel das Wachstum jedoch deutlich stärker aus, was zeigt, dass Wechselkurse einen spürbaren Einfluss hatten. Konkret wuchs der Umsatz im vierten Quartal 2025 um 3 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro.

Auch auf der Ergebnisseite gab es wichtige Entwicklungen. Der operative Gewinn stieg um 14 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro und auch die operative Marge verbesserte sich spürbar. Zwar belasteten Sondereffekte, wie Kosten im Zusammenhang mit einer Personaltransformation sowie Aufwendungen aus einem Rechtsstreit, das Ergebnis. Dennoch zeigte sich am Ende eine klare Verbesserung der Profitabilität. Dies verdeutlicht, dass SAP nicht nur wächst, sondern gleichzeitig effizienter wird. Der Nettogewinn erhöhte sich sogar um 15 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro.

Quelle: Finanzdaten Cashflow von SAP; aktien.guide

Der Cashflow entwickelte sich ebenfalls sehr positiv. Sowohl der operative Cashflow als auch der freie Cashflow drehten im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich ins Plus. Sie erhöhten sich um 334 bzw. 236 Prozent. Dies ist unter anderem auf geringere Restrukturierungszahlungen und niedrigere Auszahlungen für aktienbasierte Vergütungen zurückzuführen. Aufgrund der starken Cash-Generierung konnte SAP ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 10 Milliarden Euro über zwei Jahre ankündigen. Glaubt man der verkündeten Prognose, könnten die Entwicklungen anhalten. 

SAP-Aktie Prognose 2026

SAP erwartet für 2026 ein sehr starkes Wachstum im Cloud-Geschäft. Der Cloud-Umsatz soll demnach auf 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro steigen. Das entspräche einem Plus von 23 bis 25 Prozent bei konstanten Wechselkursen gegenüber 21 Milliarden Euro im Jahr 2025. Auch der kombinierte Umsatz aus Cloud und Software soll deutlich zulegen und 36,3 bis 36,8 Milliarden Euro erreichen, nach 32,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Auf der Ertragsseite wird ebenfalls mit mehr gerechnet. Der operative Gewinn (non-IFRS) wird hier in einer Spanne von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro erwartet. Im Jahr 2025 lag dieser Wert noch bei 10,4 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 14 bis 18 Prozent bei konstanten Währungen entspricht. Auch der freie Cashflow soll sich auf rund 10 Milliarden Euro erhöhen, nach 8,2 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Dennoch gibt es einen Wermutstropfen: Beim aktuellen Cloud-Auftragsbestand wird sich das Wachstum im Jahr 2026 voraussichtlich leicht verlangsamen, nachdem es im Jahr 2025 noch bei 25 Prozent (währungsbereinigt) lag. Strategisch wichtig ist zudem, dass sich das Gesamtumsatzwachstum bis 2027 weiter beschleunigen soll, während die operativen Kosten nur um 80 bis 90 Prozent des Umsatzwachstums steigen sollen. Ein Risikofaktor bleibt der Wechselkurs. Bei einem angenommenen Dollarkurs von 1,13 USD pro Euro könnten Währungseffekte das Wachstum im Jahr 2026 spürbar belasten, insbesondere im ersten Quartal. Tatsächlich zeigt sich bei aktuellen Kursen von 1,16, dass hier noch mehr Gegenwind entsteht.

Quelle: Umsatz- und Margenprognosen von Analysten zur SAP-Aktie

In den kommenden Jahren erwarten Analysten dagegen einen klaren und nachhaltigen Wachstumskurs bei SAP. Es wird erwartet, dass der Konzern seinen Umsatz kontinuierlich und mit zunehmender Dynamik steigern kann. Ab 2026 wird insbesondere aufgrund des starken Cloud-Geschäfts und der fortschreitenden Migration bestehender Kunden mit einer Beschleunigung des Wachstums gerechnet. Noch optimistischer sind die Einschätzungen beim Gewinn. Hier erwarten die Analysten über mehrere Jahre hinweg deutlich steigende Ergebnisse. Nach einem starken Ergebnissprung prognostizieren sie weiterhin zweistellige Wachstumsraten beim Gewinn je Aktie. Grund dafür ist die Annahme, dass SAP von Skaleneffekten im Cloud-Geschäft profitiert, die Kosten diszipliniert steuert und die operative Marge weiter ausbaut

Wichtige Kennzahlen der SAP-Aktie aus der HGI-Analyse

Die High-Growth-Investing-Analyse stuft SAP als solides, wachstumsorientiertes Unternehmen mit stabiler finanzieller Basis ein. In der HGI-Analyse wird die SAP-Aktie mit 10 von 18 möglichen Punkten bewertet und galt regelmäßig als Topscorer. Vor allem die geringe Verschuldung und die günstige Bewertung überzeugen. Das PEG-Verhältnis von rund eins signalisiert, dass SAP im Verhältnis zu Wachstum und Gewinnpotenzial attraktiv bewertet sein könnte. Gleiches gilt für die Kennzahl EV/Sales von etwas über 5.

Quelle: HGI-Score der SAP-Aktie

Ebenfalls positiv: Die Bruttomarge ist mit über 73 Prozent sehr hoch, was die starke Profitabilität des Cloud- und Softwaregeschäfts unterstreicht. Für die volle Punktzahl wäre jedoch ein Wert von über 75 Prozent notwendig gewesen. Die Aktie verfehlte daher nur knapp die vollen drei Punkte.

Beim Umsatzwachstum der letzten Jahre zeigt sich eine Aufwärtstendenz, die vor allem durch die zunehmende Cloud-Nachfrage getrieben wird. Mit 7,7 Prozent für die letzten 12 Monate wird jedoch zu wenig Wachstum erzielt, um von einem High-Growth-Wert zu sprechen. Dafür wird aber historisch eine Konstanz aufgezeigt. Dennoch wurden keine Punkte gesammelt.

Quelle: Entwicklung Umsatz- und Umsatzwachstum der SAP-Aktie 20 Jahre

Ähnliches gilt für den Rule-of-40-Score, der Wachstum und Profitabilität kombiniert. Mit rund 30 Prozent ist er zwar ein guter Wert, er bietet aber Spielraum für Verbesserungen. Vor allem das nur moderate Wachstum wirkt sich hier bremsend aus.

Bewertung der SAP-Aktie

Aus Sicht der Bewertung erscheint SAP aktuell nur moderat bewertet. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 24 und erscheint für ein etabliertes, profitables Softwareunternehmen mit tiefem Burggraben angemessen. Ähnlich hoch ist auch das Verhältnis von Unternehmenswert zu freiem Cashflow (EV/FCF). Es liegt bei 23 und spiegelt die starke Cashflow-Generierung des Konzerns wider.

Quelle: Bewertungen der SAP-Aktie; aktien.guide

Mit einer Dividendenrendite von rund 1,5 Prozent erhalten Anleger eine kleine, aber stabile Ausschüttung zusätzlich zum erwarteten Wachstum. Diese wiederum wuchs beeindruckend über die letzten 20 Jahre.

Quelle: Dividendenentwicklung der SAP-Aktie 20 Jahre

Auch bei Umsatz und Gewinn dürfte es weiter aufwärtsgehen. Analysten prognostizieren für das Jahr 2026 einen Umsatzanstieg von gut 10 Prozent, während der Nettogewinn sogar um rund 15 Prozent zulegen dürfte. Die Kombination aus moderater Bewertung, stetigem Umsatzwachstum und überproportionalem Gewinnanstieg macht die SAP-Aktie für Investoren attraktiv, die sowohl Stabilität als auch Wachstumspotenzial suchen. Ein Blick auf die historische Bewertung zeigt zudem, dass die Aktie wieder günstig sein kann.

Quelle: Entwicklung von KGV und Dividendenrendite der SAP-Aktie über 20 Jahre

Die SAP-Aktie wurde hier häufig mit einem Premiumaufschlag gehandelt. Allerdings konnte man die Aktie auch lange Zeit zu KGVs unter 20 erwerben. Damals waren Investoren jedoch skeptisch, ob die Transformation zum SaaS-Anbieter gelingen würde. Heute liegt das aktuelle KGV mit 26 wieder unter dem historischen Durchschnittswert von 30, obwohl sich das Umsatzwachstum über die Jahre nicht wesentlich verändert hat.

Ein wesentlicher Grund für die historisch moderate Bewertung der SAP-Aktie ist das Wachstumstempo. SAP wächst zwar solide, vor allem im Cloud-Segment, doch mit rund 10 Prozent pro Jahr auf Konzernebene fällt das Umsatzwachstum im Vergleich zu reinen Cloud- oder SaaS-Wachstumsfirmen eher schwach aus. Große, reife Unternehmen werden in der Regel niedriger bewertet als kleine, schnell wachsende Software-Start-ups, da die Marktfantasie begrenzt ist. Ein weiterer Faktor ist das Geschäftsmodell selbst, denn SAP erzielt nach wie vor einen Teil seiner Erlöse mit traditionellen Lizenzverträgen und Software-Support, die nur langsam wachsen bzw. zurückgehen. Auch wenn die Cloud-Umsätze stark zulegen, wird dieses Wachstum teilweise durch die Abnahme des klassischen Lizenzgeschäfts abgefedert, sodass die Gesamtdynamik für Anleger nicht mehr so attraktiv wirkt. Langfristig wird dieser Effekt automatisch herausgewachsen.

Hinzu kommen die Größe und Komplexität des Unternehmens. SAP ist ein sehr großer Konzern mit mehreren hunderttausend Kunden weltweit, komplexen ERP-Systemen und einer umfangreichen On-Premise- sowie Cloud-Infrastruktur. Solche Systeme sind in der Einführung und Wartung aufwendig, was die Skalierbarkeit und das kurzfristige Gewinnwachstum begrenzt. Größere Unternehmen haben zudem oft weniger Spielraum für schnelle Margensprünge, da ihre Kostenstrukturen bereits hoch optimiert sind. Auch marktspezifische Risiken beeinflussen die Bewertung. So ist SAP in einem stark umkämpften internationalen Umfeld mit Konkurrenten wie Oracle, Salesforce und dynamisch agierenden Start-ups tätig. Technologischer Wandel, regulatorische Anforderungen und Wechselkurse könnten für Gegenwind sorgen. Investoren berücksichtigen diese Unsicherheiten bei der Aktienbewertung. Besonders der Punkt technologischer Veränderung war zuletzt in den Fokus gerückt. Sogenannte „Disruptionsängste“ durch künstliche Intelligenz lassen immer stärkere Zweifel an der Zukunftsvision von SAP aufkommen. Viele Anleger fragen sich, inwiefern KI-Agenten traditionelle Softwarelösungen oder ERP-Systeme ersetzen könnten. Tatsächlich kann KI bestimmte Prozesse innerhalb von SAP-Systemen unterstützen, beispielsweise indem sie Rechnungen automatisch prüft, Daten aus verschiedenen Quellen zusammenführt oder Analysen erstellt. Das reduziert für Unternehmen den manuellen Aufwand und kann die Effizienz steigern. Aber die Vorstellung, dass KI SAP komplett ersetzen könnte, ist meiner Meinung nach unrealistisch. SAP-Systeme sind hochkomplex, stark individualisiert und tief in Unternehmensprozesse eingebettet. Eine KI könnte zwar einzelne Aufgaben automatisieren, neue Funktionen vorschlagen oder Datenanalysen beschleunigen, jedoch kann sie nicht die gesamte ERP-Software oder die damit verbundenen Geschäftsprozesse ersetzen. Entscheidend sind weiterhin Implementierung, Anpassung, Compliance, Schnittstellen zu anderen Systemen und Change Management in Unternehmen – Aufgaben, die menschliche Expertise erfordern. Dennoch wirken sich die Disruptionsängste auf die Bewertung aus. Die Geschichte zeigt jedoch auch, dass sich vieles wiederholt. Bereits vor mehr als zehn Jahren bedrohte die Cloud das klassische Lizenzgeschäft. Entsprechend schwach notierte die SAP-Aktie als Lizenzverkäufer. Dennoch wurde die Transformation des Geschäftsmodells erfolgreich umgesetzt. Ähnliches könnte mit KI und KI-Agenten passieren

Fazit zur SAP-Aktie

SAP befindet sich mitten in einer erfolgreichen Transformation vom klassischen Lizenzanbieter zu einem cloudorientierten Softwarekonzern. Das Unternehmen profitiert von langfristigen Megatrends wie Digitalisierung, Automatisierung und Cloud-Computing. Dies spiegelt sich in einem starken Cloud-Wachstum und einer steigenden Profitabilität wider. Gleichzeitig bleibt die Aktie nur moderat bewertet, da das Wachstumstempo, die Marktkomplexität und die technologischen Unsicherheiten – etwa durch KI – von den Investoren vorsichtig eingepreist werden. Die zunehmende Integration von KI wird SAP aber nicht ersetzen, sondern sollte die Effizienz bestehender Systeme erhöhen und neue Funktionen ermöglichen.

Die Kombination aus stabilen, wiederkehrenden Einnahmen, einer soliden finanziellen Basis und einer klaren Wachstumsstrategie könnte SAP daher langfristig attraktiv machen. Somit ergibt sich für Anleger ein Bild von einem etablierten, profitablen Marktführer mit weiterem Wachstumspotenzial und einer starken Position in einem dynamischen, globalen Marktumfeld.

Quelle: Analystenmeinungen zur SAP-Aktie

Ähnlich sehen es Analysten. Die überwiegende Mehrheit ist hinsichtlich SAP optimistisch eingestellt. Rund 73 Prozent empfehlen, die Aktie zu kaufen, während 22 Prozent zum Halten raten und nur 5 Prozent ein Verkaufssignal sehen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 261,63 Euro, der aktuelle Kurs notiert bei 173,74 Euro. Daraus ergibt sich ein Kurspotenzial von über 51 Prozent. Diese Einschätzungen basieren dabei auf der Erwartung, dass SAP sein Cloud-Geschäft weiter ausbaut, die Profitabilität steigt und die langfristigen Wachstumstrends Digitalisierung und Automatisierung den Umsatz beflügeln.

Quelle: Prognostizierte entwicklung von EPS und KGV der SAP-Aktie

Die SAP-Aktie ist also heute schon attraktiv bewertet, sofern das Wachstum nachhaltig bleibt. Langfristig könnte das KGV bis 2030 auf 13 sinken. Wer die Aktie spannend findet, sich dennoch einen Risikopuffer einbauen möchte, kann sich im aktien.guide einen Alarm einrichten. Ein KGV von unter 20 halte ich für interessant, um die Aktie erneut zu betrachten.

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Der Autor und/oder mit dem aktien.guide verbundene Personen oder Unternehmen besitzen oder können Anteile von SAP besitzen. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.
Frank Seehawer

Autor: Frank Seehawer

Frank Seehawer ist mehrere Jahre als Investor Relations Manager und Wertpapieranalyst tätig gewesen. Als graduierter Ökonom beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit den Aktienmärkten im In- und Ausland. Sein Fachwissen über Aktien teilt er als freier Autor unter anderem mit den Lesern der deutschen Ausgabe von Motley Fool.