Mercedes-Benz (ISIN: DE0007100000) ist einer der bekanntesten und traditionsreichsten Automobilhersteller der Welt. Das schwäbische Unternehmen steht wie kein anderes für Premium, Technologie und Markenstärke. Gleichzeitig befindet sich der Konzern aber auch in einem tiefgreifenden Umbruch: Elektrifizierung, Digitalisierung, steigender Wettbewerbsdruck und eine schwankende weltweite Nachfrage verändern das Umfeld grundlegend. Diese Entwicklung spiegelt sich auch im richtungslos schwankenden Aktienkurs wider. Seit über 20 Jahren läuft er seitwärts.

Quelle: Aktienkursentwicklung der Mercedes-Benz Group über 20 Jahre
Über einen Zeitraum von 20 Jahren konnten Investoren dennoch einen Kurszuwachs von 65 Prozent verzeichnen. Über zehn Jahre liegt er immer noch bei 8 Prozent. Ohne die jährlich hohen Dividenden wäre das Investment wenig attraktiv. Doch die jährlichen Dividenden von rund 5 Prozent ändern einiges. Im Vergleich zur Konkurrenz – allen voran Tesla – ist die Aktie dennoch kein Top-Investment. An der Börse wird jedoch bekanntlich die Zukunft gehandelt. Und die könnte mit etwas Glück nicht ganz so schlimm aussehen, wie der Markt es prognostiziert. Mercedes-Benz wird nämlich als Verlierer der E-Mobilität gesehen, der hohe Marktanteilsverluste und versenkte Milliardeninvestitionen hinnehmen muss. Vor diesem Hintergrund stellt sich Investoren die Frage, wie attraktiv Mercedes-Benz aktuell überhaupt aufgestellt ist. Die folgende Aktienanalyse betrachtet die Mercedes-Benz Group ganzheitlich – vom Geschäftsmodell und der Strategie über den Wettbewerb und das Chancen-Risiken-Profil bis hin zur Levermann-Analyse und der aktuellen Bewertung der Aktie. Dabei generiert sie in zwei Strategien ein deutliches Kaufsignal.
💡 Das Wichtigste in Kürze
- Mercedes-Benz ist ein führender Premium-Autobauer, der auch die Luxus-Nische besetzt
- Eine schwache Automobilkonjunktur sowie hohe Investitionen für die Digitalisierung und Elektrifizierung der Flotte belasten
- Dividenden auf hohem Niveau erscheinen tragbar
- Die extrem günstige Bewertung könnte die Aktie als Beimischung für Deep-Value-Investoren interessant machen
Unternehmensprofil – führender Premium-Autobauer
Die Mercedes-Benz Group ist ein internationaler Premium-Automobilkonzern, dessen Geschäftsmodell darauf ausgerichtet ist, hochwertige Fahrzeuge mit ergänzenden Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen zu verbinden. Und darin sind die Stuttgarter äußerst gut. Nach BMW sind die Schwaben der weltweit zweitgrößte Premium-Autobauer. Das Geschäft beschränkt sich dabei jedoch nicht nur auf Automobile. Vielmehr werden auch Nutzfahrzeuge und Mobilitätslösungen angeboten. Ziel ist es, über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs hinweg Wert zu schaffen – von der Entwicklung über den Verkauf bis hin zur Nutzung und Finanzierung.
Sein Geschäft klassifiziert die Mercedes-Benz Group daher in die drei Segmente:
1.Mercedes-Benz Cars2.Mercedes-Benz Vans und
3.Mercedes-Benz Mobility

Quelle: AI Insights; aktien.guide
Mercedes-Benz Cars
Mit einem Umsatzanteil von rund 71 Prozent bildet das Segment Mercedes-Benz Cars den Kern des Konzerns. Es umfasst die Entwicklung, Produktion und den weltweiten Vertrieb von Premium- und Luxus-Pkw der Marke Mercedes-Benz. Dazu gehören sowohl Volumenmodelle als auch besonders margenstarke Fahrzeuge der Marken Mercedes-AMG und Mercedes-Maybach. Der wirtschaftliche Erfolg dieses Segments basiert dabei auf einer starken Marke, hoher technischer Qualität und einer klaren Fokussierung auf das Premium- und Luxussegment. Zudem spielen zunehmend Elektrofahrzeuge, Software-Funktionen und digitale Dienste eine wichtige Rolle. Sie eröffnen neue Erlösquellen und sollen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Mercedes-Benz Vans
Im Segment Mercedes-Benz Vans konzentrieren sich die Schwaben auf leichte Nutzfahrzeuge für gewerbliche und private Kunden. Der Umsatzanteil liegt hier bei rund 16 Prozent. Die Fahrzeuge dieser Sparte werden vor allem von Unternehmen, Handwerksbetrieben und Logistikdiensten genutzt – aber auch von Privatkunden, die Wert auf Qualität, Zuverlässigkeit und Flexibilität legen. Ziel ist es hier, maßgeschneiderte Transportlösungen anzubieten und langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen. Ein zentraler Bestandteil ist dabei auch hier die Elektrifizierung der Transporterflotte, um den steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit und Effizienz gerecht zu werden. Das Fahrzeuggeschäft wird durch digitale Lösungen, etwa für Flottenmanagement und vernetzte Dienste, ergänzt.
Mercedes-Benz Mobility
Das Segment Mercedes-Benz Mobility erweitert hingegen das klassische Fahrzeuggeschäft um Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen. Mit einem Umsatzanteil von rund 13 Prozent ist es zugleich das kleinste der drei Segmente. Hier bietet der Konzern unter anderem Leasing- und Finanzierungsmodelle, Versicherungen sowie flexible Nutzungsformen wie Fahrzeugabonnements an. Interessant ist, dass das Segment für stabile, wiederkehrende Erträge sorgt und die Kundenbindung stärkt. Kunden werden hier ganzheitlich betrachtet und nicht nur beim Autokauf, sondern auch während der Nutzung begleitet. Gleichzeitig unterstützt das Segment den Absatz der Fahrzeuge aus den Segmenten Cars und Vans, indem es attraktive Finanzierungsangebote bereitstellt.

Quelle: AI Insights; aktien.guide
Die Strategie der Mercedes-Benz Group ist klar auf die Premium- und Luxusklasse ausgerichtet. Bis vor kurzem war es daher auch ein erklärtes Ziel, weniger Fahrzeuge zu verkaufen, dafür aber profitabler zu sein und sich deutlich von Volumenherstellern abzugrenzen. Man wollte sich eher an Ferrari orientieren, als an Volkswagen. Im Mittelpunkt steht dabei die Marke Mercedes-Benz, die für Qualität, Technologie und Exklusivität steht. Gleichzeitig sollte das Produktportfolio stärker auf Kunden ausgerichtet werden, die bereit sind, für Premiumqualität und individuelle Ausstattung höhere Preise zu zahlen. Ein hohes Volumen durch Kleinwagen wie die A-Klasse kann aber auch attraktiv sein – insbesondere, wenn dadurch die Emissionswerte der Flotte niedrig gehalten werden können. Die im Jahr 2022 ausgerufene Luxusstrategie „Marge statt Masse“ wurde daher Ende 2025 aufgrund der Marktrealität schnell wieder verworfen. Sinkende Absatzzahlen und ein harter Wettbewerb sorgten für starken Gegenwind.
Die Strategie der Elektrifizierung des Produktangebots, die Teil der Luxusstrategie war, bleibt jedoch bestehen. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und regulatorische Anforderungen zu erfüllen, investiert Mercedes-Benz bereits seit Jahren massiv in Elektrofahrzeuge und entsprechende Plattformen. Dabei wird Elektromobilität nicht als reiner Technologiewechsel verstanden, sondern als Teil des Premiumanspruchs, bei dem Reichweite, Design, Komfort und digitale Funktionen im Vordergrund stehen. Die Digitalisierung ist dabei ein wichtiger strategischer Pfeiler. Sie soll das Kundenerlebnis verbessern und die Bindung an die Marke fördern. Der Konzern entwickelt diesbezüglich eigene Software-Plattformen, vernetzte Fahrzeugsysteme und digitale Zusatzfunktionen, von denen einige kostenpflichtig sind. Auch beim Thema selbstfahrende Autos sind die Schwaben erstaunlich weit vorn. So waren sie 2021 die Ersten, die eine international gültige Zertifizierung für ein SAE-Level-3-System erhielten. Dieses ermöglichte zunächst hochautomatisiertes Fahren mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h. 2024 folgte mit einem Update die Zulassung für eine Geschwindigkeit von 95 km/h. Doch glaubt man dem Markt, dann sind die großen Tech-Konzerne – allen voran Alphabet (Waymo) und Tesla – uneinholbar weit vorn. Dennoch könnten auch für Mercedes die Chancen gut stehen, durch immer mehr neue Tech-Features wiederkehrende Einnahmequellen zu generieren, die über den einmaligen Fahrzeugverkauf hinausgehen. Das sorgt für mehr Planbarkeit und eine potenziell höhere Bewertung der Aktie. Die Strategie eröffnet dem Konzern zahlreiche Chancen, ist aber auch mit klaren Risiken verbunden.

Quelle: AI Insights; aktien.guide
Eine große Chance besteht beispielsweise in einer konsequenten Ausrichtung auf das Premium- und Luxussegment. In diesem Bereich sind Kunden natürlich in der Regel weniger preissensibel, was tendenziell höhere Margen ermöglicht. Besonders exklusive Modelle und individuelle Ausstattungen bieten zusätzliches Ertragspotenzial. Auch die Elektrifizierung bietet Chancen. Durch die umfangreichen Investitionen in Elektrofahrzeuge kann sich Mercedes-Benz theoretisch noch als führender Premiumanbieter im E-Mobilitätsmarkt positionieren. Wenn es dem Konzern dann noch gelingt, Elektromobilität mit Luxus, hoher Reichweite und innovativer Technologie zu verbinden, könnte sogar so etwas wie ein Wettbewerbsvorteil entstehen. Nicht zuletzt eröffnet auch die zunehmende Digitalisierung neue Möglichkeiten. Vernetzte Fahrzeuge, Software-Updates, Autopiloten und kostenpflichtige digitale Zusatzfunktionen sollten langfristig den Anteil der wiederkehrenden Einnahmen am Gesamtumsatz erhöhen. In Kombination mit Finanzierungs-, Leasing- und Mobilitätsangeboten von Mercedes-Benz Mobility entsteht so ein stabileres Geschäftsmodell, das weniger abhängig vom reinen Fahrzeugverkauf ist.
Demgegenüber bestehen jedoch auch Risiken. Die starke Fokussierung auf das Premium- und Luxussegment macht den Konzern nämlich auch anfälliger für wirtschaftliche Abschwünge. In Krisenzeiten können selbst wohlhabende Kunden ihre Ausgaben für teure Fahrzeuge zurückstellen, was sich negativ auf den Absatz und die Gewinne auswirkt. Zudem verzichtet Mercedes-Benz bewusst auf große Volumen, wodurch sich der Spielraum zur Kostenverteilung verringert. Skalenvorteile sind bei fixkostengetriebenen Geschäftsmodellen, wie denen der Automobilhersteller, ein wesentliches Argument für Investoren. Weitere Risiken liegen in den hohen Investitionen in Elektromobilität und Software. Die Entwicklung neuer Plattformen, Batterietechnologien und digitaler Systeme ist nicht nur sehr kapitalintensiv. Sie rechnet sich nur, wenn die Nachfrage wie erwartet steigt. Technologische Fehlschläge oder eine langsamere Marktentwicklung könnten die Profitabilität daher schnell beeinträchtigen. Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb. Neben den klassischen Premiumherstellern drängen nämlich immer neue Anbieter – insbesondere aus China – mit innovativen und oft preislich attraktiveren Elektrofahrzeugen auf den Markt. Auch Technologiekonzerne setzen neue Standards bei Software und Benutzererlebnis, was den Innovationsdruck erhöht.

Quelle: AI Insights; aktien.guide
Der Wettbewerb der Mercedes-Benz Group ist schon seit langem intensiv und international geprägt. Zu den wichtigsten klassischen Wettbewerbern zählen BMW und Audi. Sie verfolgen ähnliche Strategien mit einem starken Fokus auf Premiumfahrzeuge, Elektrifizierung und Digitalisierung. Besonders stark ist der Wettbewerb in den Bereichen Mittel- und Oberklasse sowie bei Elektrofahrzeugen und technologischen Innovationen wie Fahrerassistenzsystemen und vernetzten Diensten. Unterschiede entstehen vor allem durch das Markenimage, das Design, das Fahrgefühl und die Softwarelösungen. Im Luxussegment konkurriert Mercedes-Benz außerdem mit Herstellern wie Porsche, Lexus, Bentley oder Rolls-Royce. Hier stehen nicht die Stückzahlen, sondern Exklusivität, Qualität und hohe Margen im Vordergrund. In diesem Umfeld versucht sich Mercedes-Benz mit Mercedes-Maybach und besonders hochwertigen Ausstattungsvarianten zu positionieren.

Quelle: Umsatzentwicklung der Mercedes-Benz-Peer; aktien.guide
Im Peer-Vergleich ist deutlich erkennbar, dass BMW und Mercedes-Benz beim Umsatz gleichauf liegen. Aufgrund seines Volumen-Focuses spielt Volkswagen aber außer Konkurrenz. Auch Tesla erreicht bis heute nicht die Umsätze der etablierten Hersteller und stagnierte zuletzt. Die Texaner besitzen aber die modernsten Fabriken mit entsprechend hoher Effizienz. Gemessen am Ertrag unterscheiden sich die großen Hersteller in diesem Peer-Vergleich sonst aber kaum voneinander.

Quelle: Entwicklung von Ebit-Margen der Mercedes-Benz-Peer; aktien.guide
Betrachtet man die Bewertungen, so läuft Tesla außer Konkurrenz. Das liegt daran, dass der Konzern seine Konkurrenten beim Wachstum weit hinter sich lässt. Darüber hinaus wird er auch eher als Technologiekonzern mit Potenzial im Bereich autonomes Fahren und Robotik gehandelt.
Reine Elektroautohersteller wie Tesla sind ohnehin mittlerweile als Hauptkonkurrenten zu sehen. Dies liegt vor allem daran, dass diese Unternehmen sehr früh auf Elektromobilität gesetzt haben und heute über starke Kompetenzen in den Bereichen Software, Batterieeffizienz und Ladeinfrastruktur verfügen. Genau das setzt etablierte Premiumhersteller zusehends unter Druck. In den letzten Jahren hat sich der Wettbewerb unter den E-Autobauern aber auch durch chinesische Hersteller wie BYD, NIO oder Geely deutlich verschärft. Dank staatlicher Subventionen, geringer Produktionskosten und günstiger Wechselkurse drängen sie zunehmend auch in den europäischen Markt und kombinieren moderne Elektrotechnik mit aggressiven Preisen. Langfristig stellen sie eine ernstzunehmende Konkurrenz dar – auch im Premiumsegment.
Im Van-Segment dagegen konkurriert Mercedes-Benz vor allem mit Herstellern wie Volkswagen, Ford, Stellantis und Renault. Der Wettbewerb ist hier stärker kosten- und effizienzgetrieben, wobei sich Mercedes-Benz über Qualität, Zuverlässigkeit und Premiumservices differenzieren will. Im Bereich der E-Mobilität könnte außerdem Rivian Automotive genannt werden. Das Unternehmen baut für Amazon technologisch hochgerüstete Logistikfahrzeuge. Anteilseigner ist neben Amazon aber auch der deutsche Volkswagen-Konzern.
Die letzten Mercedes-Benz Quartalszahlen von September 2025
Die Ergebnisse des dritten Quartals zeigen, dass sich Mercedes-Benz auch weiterhin in einem anspruchsvollen Marktumfeld behauptet, dabei aber an seiner strategischen Ausrichtung festhält. Das operative Ergebnis lag unter dem Vorjahresniveau. Dies ist vor allem auf ein geringeres Absatzvolumen, Belastungen durch Zölle und Wechselkurse sowie gezielte Sonderaufwendungen für Effizienz- und Restrukturierungsmaßnahmen zurückzuführen. Diese Effekte sind jedoch weniger Ausdruck operativer Schwäche als vielmehr Teil eines geplanten Umbaus des Konzerns. Konkret fiel der Umsatz um sieben Prozent, der Bruttoertrag um 19 Prozent und das Nettoergebnis um gut ein Drittel.

Quelle: Finanzdaten von Mercedes-Benz zum Q3/2025; aktien.guide
Trotz dieser Belastungen entwickelten sich die Margen aller Geschäftseinheiten wie erwartet. Gleichzeitig blieb die Finanzlage robust. Der Konzern erwirtschaftete einen soliden freien Cashflow von rund 2,4 Milliarden Euro und baute seine Nettoliquidität weiter aus. Vor diesem Hintergrund unterstreicht der geplante Aktienrückkauf das Vertrauen des Managements in die finanzielle Stabilität und die langfristige Ertragskraft des Unternehmens.

Quelle: Finanzdaten von Mercedes-Benz zum Q3/2025; aktien.guide
Im Pkw-Geschäft zeigte sich erneut die Wirkung der Premiumstrategie. Während das Marktumfeld insbesondere in China und den USA weiterhin herausfordernd blieb, entwickelte sich der Absatz in Europa sowie in mehreren Wachstumsregionen deutlich positiv. Insbesondere die starke Nachfrage nach hochpreisigen Top-End-Fahrzeugen stützte die Profitabilität. Gleichzeitig nahm die Dynamik bei batterieelektrischen Fahrzeugen zu. Neue Modelle wie der elektrische CLA und der neue GLC machen den technologischen Wandel sichtbar. Auch das Van-Geschäft bestätigte seine Rolle als stabiler Ergebnisträger. Trotz Investitionen in neue Architekturen und eines schwächeren Absatzumfelds wurden weiterhin zweistellige Renditen erzielt. Der stark wachsende Anteil elektrischer Transporter zeigt, dass die Elektrifizierungsstrategie auch im Nutzfahrzeugbereich greift. Mercedes-Benz Mobility entwickelte sich ebenfalls solide und profitierte von Effizienzmaßnahmen sowie einer verbesserten Zinsmarge, wenngleich ein vorsichtiger Umgang mit Kreditrisiken weiterhin notwendig ist.
Mercedes-Benz-Aktie Prognose 2025
Der Ausblick von Mercedes-Benz bleibt von hoher Unsicherheit geprägt. Geopolitische Spannungen, handelspolitische Maßnahmen in Form von Zöllen und eine schwache Verbraucherstimmung belasten die Weltwirtschaft und die Automobilmärkte. Insgesamt wird nur ein moderates globales Wirtschaftswachstum erwartet. Weltweit rechnet der Konzern daher mit einer schwachen Nachfrage auf den Automobilmärkten. In Europa und den USA dürfte sich der Markt auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, während der chinesische Markt zwar leicht wachsen könnte, jedoch durch einen intensiven Preiskampf im Premiumsegment geprägt ist. Auch im Transportergeschäft bleibt das Marktumfeld insgesamt anspruchsvoll. Vor diesem Hintergrund erwartet Mercedes-Benz für das Gesamtjahr einen deutlich rückläufigen Umsatz sowie niedrigere Absatzzahlen in den Segmenten „Cars” und „Vans”. Höhere Zölle und eine schwächere Preisdurchsetzung belasten die Margen zusätzlich. Gleichzeitig setzt der Konzern weiterhin auf Effizienzmaßnahmen, Kostendisziplin und seine Produkt- und Technologieoffensive, um die Profitabilität trotz des schwierigen Umfelds zu sichern.
Dieses Bild bestätigte sich gemäß den am 12. Januar 2026 gelieferten Absatzzahlen für das Gesamtjahr 2025. Mercedes-Benz verkaufte im Jahr 2025 rund 1,8 Millionen Pkw, was einem Rückgang von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Während die Absatzzahlen in China und den USA durch Zölle, intensiven Wettbewerb und bewusstes Bestandsmanagement belastet waren, entwickelte sich der Absatz in Europa solide. Besonders stark wuchs der Absatz in Südamerika, der Türkei und den Golfstaaten. Die Premiumstrategie zahlte sich weiterhin aus. Der Anteil von Top-End-Fahrzeugen lag bei rund 15 Prozent, allerdings wurden nur 268.000 Fahrzeuge dieser Kategorie verkauft und auch hier lag ein Absatzminus vor – wenn auch nur von 5 Prozent. Positiv fiel auf, dass Mercedes-AMG eines seiner besten Absatzergebnisse überhaupt erzielte, die G-Klasse einen Rekordwert erreichte und Mercedes-Maybach seine starke Position innerhalb der S-Klasse weiter ausbauen konnte.
Auch die Elektrifizierung gewann weiter an Dynamik. In Europa wurde ein Rekordanteil elektrifizierter Fahrzeuge erreicht. Neue Modelle wie der elektrische CLA und der neue GLC sorgten für einen hohen Auftragseingang bis weit ins Jahr 2026. Und obwohl der Absatz im vierten Quartal 2025 bei 3 Prozent lag und somit im positiven Bereich, liegen die Absätze für das Gesamtjahr weiterhin bei 9 Prozent im Minus. Am besten entwickelten sich die Autoabsätze im Rest der Welt mit +17 Prozent. Ihr Anteil ist mit 98.700 Stück aber überschaubar.

Quelle: Umsatzprognosen zu Mercedes-Benz
Blickt man auf die Prognosen der Analysten für den Konzern für das Jahr 2025, so liegt diese bei einem Umsatzminus von 6,7 Prozent und einer halbierten Nettomarge von 3,3 Prozent. Damit dürfte aber auch schon der Tiefpunkt erreicht sein. Laut Analysten werden sich die Umsätze zukünftig wieder auf das starke Vorjahresniveau von 2023 mit 750 Milliarden stabilisieren. Im Kern entspricht dies jedoch nur einem mickrigen einstelligen Wachstum pro Jahr.
Wichtige Kennzahlen der Mercedes-Benz-Aktie aus der Levermann-Analyse
In der Levermann-Analyse wird eine Aktie anhand von 13 quantitativen und qualitativen Kriterien bewertet. Jedes Kriterium kann Plus-, Null- oder Minuspunkte ergeben. Die Gesamtpunktzahl zeigt schließlich, ob eine Aktie als kaufenswert, neutral oder unattraktiv eingestuft wird. Mit 6 von 13 Punkten liegt Mercedes-Benz aktuell im attraktiven Bereich.

Quelle: Levermann-Score der Mercedes-Benz-Aktie; aktien.guide
Bei der Profitabilität zeigt sich zunächst ein neutrales Bild. Die Eigenkapitalrendite von gut 11 Prozent und die EBIT-Marge von rund 8,6 Prozent werden in der Levermann-Logik nicht als stark genug bewertet und bringen daher keine Punkte. Positiv wiegt hingegen die Eigenkapitalquote von knapp 35 Prozent. Auch die Bewertung der Aktie fällt überwiegend positiv aus. Das KGV 5 Jahre errechnet sich aus den Werten der letzten drei Jahre und der Prognosen für die kommenden zwei Jahre. Es ist mit knapp 6 sehr niedrig. Auch das erwartete KGV für die Zukunft liegt mit rund 11 auf einem nur moderaten Niveau. Beide Kriterien sprechen mit jeweils einem Punkt dafür, dass die Aktie nicht überbewertet ist. Aber es gibt Gründe dafür, die wir im nachfolgenden Kapitel näher ausführen.
Bei den Markterwartungen zeigt sich Zurückhaltung. Die Analystenmeinungen sind im Durchschnitt eher neutral, weshalb in dieser Kategorie kein Punkt erreicht wird. Auch die Gewinnrevisionen für die Jahre 2025 und 2026 fallen leicht negativ aus bzw. sind nahezu unverändert. Dies deutet auf begrenzten Optimismus am Markt hin und führt zu keinem Punkt.
Kurzfristig konnte die Aktie jedoch überzeugen. Beispielsweise bei der positiven Reaktion des Marktes auf die Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen. Die Kursentwicklung ist sowohl im Vergleich zu den letzten sechs als auch zu den letzten zwölf Monaten positiv einzuordnen. Beides brachte jeweils einen Punkt. Beim Momentum hingegen fällt die Bewertung schwächer aus. Obwohl der Kurs gestiegen ist, wird kein zusätzlicher Punkt für ein klar steigendes Momentum vergeben. Das Dreimonatsreversal ist sogar negativ, da die Aktie über mehrere Monate hinweg besser lief als der Markt. In der Levermann-Logik gilt dies als mögliches kurzfristiges Rückschlagrisiko, weshalb hier ein Minuspunkt vergeben wird. Sehr positiv ist hingegen das erwartete Gewinnwachstum von 29 Prozent. Dieses starke Wachstum ist jedoch auch im Rahmen der Logik eines Zyklikers einzuordnen. In der Levermann-Analyse wird es dennoch mit einem Punkt bewertet.
Bewertung der Mercedes-Benz-Aktie
Die Bewertung von Mercedes-Benz ergibt ein insgesamt gemischtes, aber gut einzuordnendes Bild: Einerseits gibt es günstige Kennzahlen, andererseits sind die Wachstumserwartungen gedämpft.

Quelle: Bewertungen der Mercedes-Benz Group-Aktie
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9 liegt das Unternehmen beispielsweise deutlich unter dem langfristigen Marktdurchschnitt sowie unter vielen internationalen Automobilherstellern. Das EV/Free-Cashflow-Verhältnis von 11, signalisiert ebenfalls eine moderate Bewertung. Mit 7,3 Prozent ist auch die Dividendenrendite sehr attraktiv und zählt zu den größten Stärken der Aktie. Sie macht die Mercedes-Benz-Aktie besonders interessant für einkommensorientierte Anleger. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass der Markt die hohe Ausschüttung skeptisch sieht. Außergewöhnlich hohe Dividendenrenditen sind häufig auf begrenzte Wachstumserwartungen oder erhöhte Risiken zurückzuführen. So auch bei Mercedes-Benz. In der Vergangenheit kam es häufiger zu Dividendenkürzungen. Dennoch schneidet die Aktie in der Dividenden Analyse mit 12 von 15 möglichen Punkten überaus gut ab.

Quelle: Dividenden Analyse der Mercedes-Benz Group
Das erwartete Umsatzwachstum von minus 6,7 Prozent für das Gesamtjahr ist jedoch kritisch einzuordnen. Die vergleichsweise günstige Bewertung von Mercedes-Benz lässt sich weniger durch operative Schwäche erklären als vielmehr durch mehrere strukturelle und marktbezogene Faktoren, die Investoren vorsichtig stimmen.

Quelle: Entwicklung des Umsatzwachstums der Mercedes-Benz Group über 20 Jahre
Ein zentraler Grund ist die starke Zyklizität der Automobilbranche. Trotz des Premiumfokus ist Mercedes-Benz stark von der konjunkturellen Entwicklung abhängig. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten erwarten Investoren daher regelmäßig, dass die Gewinne schnell unter Druck geraten. Diese Erwartung führt am Ende dazu, dass selbst aktuell hohe Gewinne nicht mit hohen Bewertungsmultiplikatoren honoriert werden. Hinzu kommt der strategische Verzicht auf Volumenwachstum. Mercedes-Benz nahm mit seiner „Value-over-Volume“-Strategie bewusst rückläufige Stückzahlen in Kauf, um die Margen zu erhöhen. Doch die Strategie ist nicht wirklich aufgegangen. Das erwartete Umsatzminus von 6,7 Prozent zeugt daher auch ein wenig von einer strategischen Fehlentscheidung. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die hohen Investitionen in Elektromobilität und Software. Sie belasten kurzfristig den Cashflow und erhöhen das Risiko, dass sich einzelne Technologien oder Plattformen nicht wie geplant amortisieren. Viele Investoren sind auch heute noch unsicher, ob traditionelle Hersteller im Wettbewerb um Software und Elektromobilität dauerhaft mit neuen Marktteilnehmern mithalten können. Der zunehmende Druck durch Tesla und chinesische Elektroautohersteller sorgt für Zweifel an der langfristigen Preissetzungsmacht – selbst im Premiumsegment.

Quelle: Entwicklung von Dividende, Marktkapitalisierung und Dividendenrendite der Mercedes-Benz Group
Die hohe Dividendenrendite ist dabei eher ein Symptom als eine Ursache der günstigen Bewertung. Sie entsteht vor allem dadurch, dass der Aktienkurs relativ niedrig ist. Hinzu kommt die allgemeine Zurückhaltung gegenüber europäischen Automobilherstellern. Politische Unsicherheiten, regulatorische Vorgaben, Handelskonflikte und die Abhängigkeit von wichtigen Absatzmärkten wie China führen dazu, dass Investoren europäische Automobilhersteller strukturell meiden.
Fazit zur Mercedes-Benz-Aktie
Insgesamt präsentiert sich Mercedes-Benz als finanziell solides und strategisch klar positioniertes Unternehmen mit einer starken Marke und hoher Ertragskraft im Premiumsegment. Das Geschäftsmodell ist auf Qualität, Margenstärke und Kundenbindung ausgerichtet und wird durch Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen sinnvoll ergänzt. Die Strategie, stärker auf Premiumisierung statt auf Volumen zu setzen, ist schlüssig. Sie wird aber wohl nicht vollends umgesetzt werden können, da die Skalenvorteile durch ein höheres Volumen überaus wichtig sind.
Die Analyse der Mercedes-Benz-Aktie zeigt, dass die Aktie fundamental günstig bewertet ist und insbesondere durch eine hohe Dividendenrendite sowie niedrige Bewertungskennzahlen überzeugt. Gleichzeitig macht die Levermann-Analyse deutlich, dass positive Aspekte wie Bewertung, Kursentwicklung und Gewinnwachstum durch verhaltene Markterwartungen, zyklische Risiken und rückläufige Umsatzprognosen relativiert werden. Der Wettbewerb und der technologische Wandel erhöhen jedoch den Druck auf den Konzern, insbesondere im Bereich Elektromobilität und Software. Um die führende Position im Markt langfristig zu sichern, sind hohe Investitionen notwendig, was kurzfristig Unsicherheit erzeugt und die Bewertung belastet. Die Bewertung ist daher nachvollziehbar. Die jüngsten Zahlen zeigen vor allem, dass das Unternehmen sich derzeit in einem zyklischen Tief befindet und noch keine schlüssigen Argumente geliefert hat, die belegen, dass es dem Wettbewerb etwas entgegenzusetzen hat.

Quelle: Analystenmeinungen zur Mercedes-Benz Group-Aktie
Die aktuellen Analystenmeinungen zu Mercedes-Benz zeigen dagegen ein relativ ausgewogenes Bild. Von 28 Analystenschätzungen empfehlen 47 Prozent der Experten die Aktie zum Kauf, während 44 Prozent sie auf „Halten” setzen. Lediglich 9 Prozent raten zum Verkauf. Alles spricht für eine neutrale bis leicht positive Markteinschätzung, ohne dass sich ein klarer Konsens für einen starken Aufwärtstrend abzeichnet.
Mit einem durchschnittlichen Kursziel von 64,26 Euro ergibt sich ein Aufwärtspotenzial von rund 10 Prozent über ein Jahr gesehen, was die vorsichtige Haltung der Analysten unterstreicht. Insgesamt zeigen die Empfehlungen, dass Mercedes-Benz als solides und stabiles Unternehmen bewertet wird, von dem jedoch kurzfristig keine überdurchschnittlichen Kursgewinne erwartet werden. Anleger, die mehr Risikopuffer suchen, können sich einen Alarm stellen. Ein Kurs von 45 Euro läge leicht unter dem 20-jährigen Durchschnitt.
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