Die Alibaba-Aktie (ISIN: US01609W1027) bietet Anlegern die Möglichkeit, sich an einem Monopolisten im E-Commerce zu beteiligen – und das auch zu bezahlbaren Preisen. Vor dem Hintergrund globaler Megatrends, die Wirtschaft und Konsum grundlegend verändern, lässt sich die Aktie am besten verstehen. Die Digitalisierung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz ermöglichen datengetriebene Geschäftsmodelle, bei denen Plattformen Wettbewerbsvorteile durch Vernetzung, Analyse und Monetarisierung von Daten erzielen. Alibaba steht an der Schnittstelle dieser Trends und nutzt sie, um sein Ökosystem aus E-Commerce, Logistik, Cloud und KI langfristig zu skalieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Quelle: Aktienkursentwicklung der Alibaba-Aktie seit 2015
Die Alibaba-Aktie entwickelte sich bis zum Herbst 2020 sehr gut, nachdem sie über einen langen Zeitraum hinweg immer neue Allzeithochs erreicht hatte. Doch dann rückten Risiken stärker in den Vordergrund. Hauptsächlich waren dies verschärfte regulatorische Maßnahmen in China, wie die gestoppte Börsennotierung der Ant Group und Kartelluntersuchungen. Auch das temporäre Verschwinden von Firmenchef Jack Ma sorgte für Verunsicherung. Hinzu kamen geopolitische Spannungen zwischen den USA und China, die Corona-Pandemie, Marktunsicherheit sowie zuletzt hohe Investitionen in Cloud, KI und Quick Commerce, welche die Margen belasteten. Das Wachstum tendierte zunächst gegen Null. Erst ab 2024 legte es wieder zu, jedoch nur einstellig.
Doch die hohen Investitionen könnten sich mittelfristig auszahlen. Ein erwartetes zweistelliges Umsatzwachstum und die Aussicht auf höhere Margen könnten Alibaba in Zukunft besser dastehen lassen als je zuvor. Die Bewertung mit einem KGV von 20 ist dagegen bezahlbar. Zudem existieren Cash-Reserven und hohe Free Cashflows. All das sind starke Argumente, die auch in der Levermann-Analyse gewürdigt werden. Doch ist die Alibaba-Aktie ein Kauf? Die nachfolgende Alibaba-Aktienanalyse zeigt Chancen und Risiken auf.
💡 Das Wichtigste in Kürze
- Alibaba ist der dominierende E-Commerce-Player in China
- Ein nur moderates Wachstum und hohe Risiken schrecken Investoren ab
- Doch hohe Investitionen in Cloud, KI und Quick Commerce könnten für zweistelliges Wachstum sorgen
- Die Bewertung der Aktie preist ein starkes politisches Risiko ein und könnte Wachstumschancen unterschätzen
Unternehmensprofil – Marktführer im chinesischen E-Commerce
Alibaba ist Chinas führender Online-Handelskonzern mit unschlagbarer Dominanz. Als First Mover im chinesischen E-Commerce kommt Amazon dem Geschäftsmodell sehr nahe, wobei es doch Unterschiede gibt. Der Marktanteil am chinesischen E-Commerce-Markt wird auf 40 bis 45 Prozent geschätzt.

Quelle: Alibaba Umsatzquellen; aktien.guide AI-Insights
Das Geschäftsmodell der Alibaba Group basiert dabei auf einem diversifizierten Umsatzmix. Dabei tragen einzelne Segmente unterschiedlich stark zum Konzernumsatz bei und erfüllen jeweils klar definierte strategische Funktionen innerhalb des Gesamtökosystems. Die Umsatzstruktur bezieht sich auf die folgenden strategischen Geschäftsfelder:
Alibaba China E-Commerce-E-Commerce (Customer Management)
-Direct Sales, Logistics and others
-Quick Commerce
-China Commerce Wholesale
Alibaba International Digital Commerce Group
-International Commerce Retail
-International Commerce Wholesale
Cloud Intelligence Group
All Others
Geschäftssegmente der Alibaba Group im Detail
Alibaba China E-Commerce
Den mit Abstand größten Umsatzanteil stellt die Alibaba China E-Commerce Group, die den Kern des Konzerns bildet. Im dritten Quartal 2025 betrug ihr Umsatzanteil rund 54 Prozent. Das Wachstum lag zuletzt bei 16 Prozent. Das Segment ist primär auf den chinesischen Binnenmarkt ausgerichtet und profitiert von einer hohen Marktdurchdringung, starken Netzwerkeffekten sowie einer tiefen Integration von Handel, Marketing, Logistik und Datenanalyse. Innerhalb der China E-Commerce Group entfällt der größte Anteil des Segmentumsatzes auf das klassische E-Commerce-Geschäft, wobei insbesondere die Erlöse aus Customer Management dominieren. Diese Umsätze stammen vor allem aus werbebasierten und datengetriebenen Dienstleistungen für Händler und Marken. Sie stellen den strukturell wichtigsten und margenstärksten Bestandteil des Konzernumsatzes dar. Der Umsatzanteil aus direkten Verkäufen, logistiknahen Leistungen und sonstigen Handelsaktivitäten ist deutlich geringer und erfüllt vor allem eine unterstützende und stabilisierende Funktion innerhalb des Plattformökosystems. Ein wachsender, wenn auch im Verhältnis noch kleinerer Umsatzanteil innerhalb des China-Geschäfts entfällt auf den Quick Commerce. Quick Commerce ist als Ergänzung zum klassischen E-Commerce positioniert und diversifiziert den Konzernumsatz zunehmend. Mit einem Umsatzwachstum von 60 Prozent war Quick Commerce im dritten Quartal 2025 der größte Umsatztreiber im Konzern –- wenig verwunderlich, denn hier flossen auch hohe Investitionen. Trotz seines hohen Wachstums bleibt dieser Bereich anteilig hinter dem etablierten Marktplatzgeschäft zurück. Strategisch gewinnt er jedoch an Bedeutung, da er neue Konsumanlässe und Nutzungsfrequenzen erschließt. Der chinesische Großhandel trägt dagegen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil zum Gesamtumsatz bei, fungiert jedoch als wichtiges Bindeglied zwischen Produzenten und kleineren Händlern und stärkt die vertikale Integration des Ökosystems.
Alibaba International Digital Commerce Group
Mit einem Umsatzanteil von 14 Prozent ist die Alibaba International Digital Commerce Group der drittgrößte Umsatzblock des Konzerns, bleibt jedoch deutlich hinter dem China-Geschäft zurück. Der Großteil dieses internationalen Umsatzes entfällt auf das grenzüberschreitende und lokale Einzelhandelsgeschäft, während das internationale Großhandelsgeschäft einen kleineren, aber stabilen Anteil beisteuert. Insgesamt spiegelt der Umsatzanteil dieses Segments wider, dass Alibaba zwar international präsent ist, der wirtschaftliche Schwerpunkt des Konzerns jedoch weiterhin klar in China liegt, was oft kritisiert wird. Andere Player wie PDD Holdings entwickelten sich hier mit Temu deutlich besser.
Cloud Intelligence Group
Das dritte Segment, die Cloud Intelligence Group, trägt bereits einen signifikanten Anteil zum Konzernumsatz bei, im Vergleich zum Handelsgeschäft jedoch noch einen untergeordneten. Ihr Umsatzanteil von 16 Prozent wächst jedoch strukturell schneller als der der Handelssegmente. Dies unterstreicht die zunehmende Bedeutung von Cloud-Services, künstlicher Intelligenz und datenbasierter Infrastruktur für das Geschäftsmodell von Alibaba. Langfristig ist dieses Segment weniger vom Handelsvolumen abhängig und zielt auf wiederkehrende, technologiegetriebene Erlöse mit höherer strategischer Hebelwirkung ab.
All Others
Das letzte große Segment „All Others“ steuert einen merklichen, aber rückläufigen Anteil zum Konzernumsatz bei. Es umfasst heterogene Geschäftsbereiche wie digitale Medien, lokale Dienstleistungen und weitere innovationsgetriebene Aktivitäten. Hier sinkt der Umsatzanteil, was die bewusste strategische Neuausrichtung hin zu den profitableren und skalierbareren Kernbereichen E-Commerce und Cloud widerspiegelt.
Marktbesonderheiten und Chancen & Risiken der Alibaba-Aktie
Sie zeichnen sich durch eine außergewöhnlich hohe digitale Durchdringung, starke Netzwerkeffekte sowie eine enge Verzahnung von Handel, Technologie und Alltagsdienstleistungen aus. Insbesondere der chinesische E-Commerce-Markt zeigt dabei eine hohe Marktreife, einen intensiven Wettbewerb und eine ausgeprägte Preissensibilität der Konsumenten auf. Dies führt zu permanentem Innovationsdruck und zur schnellen Imitation erfolgreicher Geschäftsmodelle. Große Konzerne mit verstarrten Strukturen haben es hier oft schwerer als kleine, dynamisch agierende Start-ups. Die Plattformen konkurrieren dabei nicht nur über Sortiment und Preis, sondern auch über das Nutzererlebnis, die Liefergeschwindigkeit, die Personalisierung sowie die Integration zusätzlicher Services wie Zahlungsabwicklung, Finanzierung und lokale Dienstleistungen.
Eine zentrale Eigenheit dieses Marktes ist dabei die dominante Rolle datengetriebener Geschäftsmodelle. Bei diesen ist der Zugang zu großen Nutzer- und Transaktionsdatenbeständen entscheidend für Wettbewerbsvorteile. Alibaba profitiert hier von seiner Größe und der langen Historie seiner Plattformen. Gleichzeitig steht das Unternehmen jedoch unter wachsender regulatorischer Beobachtung, da Marktmacht und Datennutzung in China zunehmend politisch und gesellschaftlich reguliert werden. Der Markt ist daher nicht nur wirtschaftlich, sondern auch stark institutionell geprägt. Staatliche Eingriffe können hier kurzfristig erhebliche Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Investitionsentscheidungen haben. Dass der Staat hier die Oberhand behält, zeigt sich am konsequenten Vorgehen gegenüber Alibaba. So wurde der für 2020 geplante Mega-IPO der Finanzsparte Ant Financial durch chinesische Regulierungsbehörden gestoppt. Der CEO Jack Ma kritisierte dies und verschwand daraufhin für einige Monate aus der Öffentlichkeit. 2023 wurde schließlich die Mehrheit an der Ant Group abgegeben.
Ein weiteres charakteristisches Merkmal ist die hohe Dynamik auf Angebots- und Nachfrageseite, die insbesondere durch neue Formate wie Social Commerce, Live-Streaming und Quick Commerce entsteht. Diese Entwicklungen senken die Markteintrittsbarrieren für neue Händler und Plattformen, erhöhen aber zugleich den Wettbewerbsdruck auf etablierte Anbieter wie Alibaba, da die Nutzerloyalität weniger stabil ist als in klassischen westlichen Märkten. Gleichzeitig verschiebt sich die Wertschöpfung zunehmend von reinen Transaktionen hin zu Aufmerksamkeit, Content und communitybasierten Interaktionen.

Quelle: Alibaba-Aktie Chancen & Risiken; aktien.guide AI-Insights
Alibaba profitiert dagegen auf der Chancenseite von der weiterhin hohen Bedeutung des Onlinehandels im chinesischen Konsumsektor, von der Digitalisierung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie von der strukturellen Verlagerung hin zu service- und technologiegetriebenen Erlösmodellen. Insbesondere im Cloud- und KI-Umfeld ergeben sich langfristige Wachstumschancen, da Unternehmen und öffentliche Institutionen zunehmend auf skalierbare digitale Infrastrukturen angewiesen sind. Auch im internationalen Geschäft bestehen Chancen, vor allem in aufstrebenden Märkten mit einer jungen, digitalaffinen Bevölkerung, in der das Plattformmodell von Alibaba noch nicht stark vertreten ist.
Demgegenüber stehen jedoch erhebliche Risiken, die das Marktumfeld nachhaltig beeinflussen können. Vor allem der intensive Wettbewerb durch nationale Konkurrenten führt zu Margendruck und steigenden Marketingkosten. In den letzten Jahren wurden stetig Marktanteile verloren. Skaleneffekte allein reichen somit nicht mehr aus, um die Profitabilität zu sichern. Zusätzlich erhöht die regulatorische Unsicherheit in China das strategische Risiko, da Eingriffe in die Preisgestaltung, die Datenverwendung oder die Plattformpraktiken die Ertragskraft einzelner Geschäftsbereiche deutlich einschränken können.
Weitere Risiken ergeben sich aus makroökonomischen Faktoren wie einer Abschwächung des Konsumwachstums, steigender Arbeitslosigkeit oder geopolitischen Spannungen. Diese können insbesondere das internationale Geschäft und die Cloud-Sparte betreffen. Auch technologische Risiken spielen eine Rolle, da der Markt durch einen schnellen Innovationszyklus gekennzeichnet ist und Fehlinvestitionen in neue Formate oder Technologien rasch an Wert verlieren können.
Die wichtigsten Wettbewerber von Alibaba
Das Wettbewerbsumfeld von Alibaba ist durch eine hohe Konzentration auf wenige, sehr kapitalstarke Akteure gekennzeichnet. Diese setzen jeweils unterschiedliche strategische Schwerpunkte und intensivieren dadurch den Wettbewerb auf gleich mehreren Ebenen. Im chinesischen Kernmarkt steht Alibaba vor allem in direkter Konkurrenz zu JD.com, Pinduoduo und zunehmend auch zu ByteDance. Der Wettbewerb beschränkt sich dabei nicht allein auf den Onlinehandel, sondern umfasst auch die Bereiche Logistik, Daten, Content und technologische Infrastruktur.

Quelle: Alibaba-Aktie wichtige Wettbewerber; aktien.guide AI-Insights
JD.com ist einer der wichtigsten Wettbewerber von Alibaba im chinesischen E-Commerce. Das in Peking ansässige Unternehmen unterscheidet sich durch ein stärker integriertes Geschäftsmodell mit eigener Lager- und Logistikinfrastruktur. Während Alibaba vorwiegend als Plattformbetreiber agiert, kontrolliert JD.com große Teile der physischen Wertschöpfungskette selbst. Dies führt zu einer höheren Lieferzuverlässigkeit und Qualitätssicherung, ist jedoch auch kapitalintensiver. JD.com positioniert sich insbesondere im Bereich Elektronik und höherwertiger Konsumgüter als vertrauenswürdige Alternative zu Alibaba und setzt damit Margen und Servicequalität unter Druck.

Quelle: Marktkapitalisierung der Alibaba-Peer
Pinduoduo ist strukturell ein anderer Wettbewerber. Das Unternehmen setzt auf ein stark preisgetriebenes, sozial integriertes Einkaufsmodell. Durch Gruppenrabatte, Gamification und eine enge Verzahnung mit sozialen Netzwerken spricht Pinduoduo vor allem preissensible Konsumenten an und konnte in kurzer Zeit signifikante Marktanteile gewinnen. Mit seiner Tochter Temu besitzt es international ein Alleinstellungsmerkmal. Für Alibaba bedeutet dieser Wettbewerb jedoch eine zunehmende Erosion der traditionellen Plattformloyalität sowie einen verstärkten Druck, im Niedrigpreissegment präsent zu sein, ohne die Profitabilität des Kerngeschäfts zu gefährden.
ByteDance hat sich mit Plattformen wie Douyin hingegen als relevanter Wettbewerber etabliert, obwohl das Unternehmen selbst ursprünglich nicht aus dem Handel stammt und vielmehr eine Social Platform-Company ist. Aber durch die Kombination aus algorithmisch gesteuertem Content, Live-Streaming und integrierten Kaufmöglichkeiten entsteht ein Handelsmodell, das Aufmerksamkeit direkt in Transaktionen überführt – und es funktioniert. Dieser Ansatz verschiebt den Wettbewerb von der reinen Such- und Marktplatzlogik hin zu einem contentgetriebenen Konsum. Alibaba ist nun gezwungen, eigene Social- und Content-Formate stärker auszubauen.
Im internationalen Umfeld konkurriert Alibaba dagegen vor allem mit Amazon, insbesondere im grenzüberschreitenden Handel und im Cloud-Geschäft. Auffallend ist, dass Amazon in den entwickelten westlichen Märkten stärker präsent ist und dort Marktplatz, Eigenhandel, Logistik und Cloud-Services in einem hochintegrierten Modell kombiniert. Somit ist Amazon für Alibaba sowohl im internationalen E-Commerce als auch mit AWS im Cloud-Segment ein Maßstab für Skalierung, technologische Leistungsfähigkeit und Profitabilität.

Quelle: Marktkapitalisierung der Alibaba-Peer international
Auf regionaler Ebene ergeben sich weitere Wettbewerber durch lokale Plattformen wie Shopee in Südostasien oder Mercadolibre in Lateinamerika. Die Akteure kennen ihre Märkte sehr gut und können teils schneller auf lokale Konsumgewohnheiten reagieren als ein globaler Anbieter wie Alibaba. Dadurch wird aber auch Alibabas Fähigkeit begrenzt, sein chinesisches Plattformmodell eins zu eins auf andere Regionen zu übertragen. Es werden lokale Anpassungen erforderlich sein, um international durchzustarten.
Im Cloud-Bereich steht Alibaba Cloud in direktem Wettbewerb mit globalen Anbietern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure (Microsoft) und Google Cloud (Alphabet) sowie mit nationalen chinesischen Wettbewerbern. Der Wettbewerb ist hier stark technologie- und preisgetrieben. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, sind auch hier wieder kontinuierlich hohe Investitionen in Infrastruktur, Sicherheit und natürlich Forschung erforderlich.
Die letzten Alibaba Quartalszahlen von September 2025
Die letzten Quartalszahlen zeigen eine deutliche strategische Schwerpunktverlagerung von der kurzfristigen Ergebnisoptimierung hin zum langfristigen Aufbau von Wettbewerbsfähigkeit in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cloud-Infrastruktur und konsumorientierte Plattformen. Der Konzern befindet sich bewusst in einer Investitionsphase, was sich in solidem Umsatzwachstum bei gleichzeitig deutlich rückläufiger Profitabilität widerspiegelt.

Quelle: Finanzdaten Gewinn- und Verlust Q3/2025 von Alibaba Group Holding
Während der Umsatz auf Konzernebene mit 5 Prozent moderat wuchs, standen das operative Ergebnis und der Gewinn mit -85 bzw. -52 Prozent deutlich unter Druck. Der Ergebnisrückgang ist dabei weniger auf eine strukturelle Schwäche des Kerngeschäfts zurückzuführen, sondern vielmehr auf gezielte Reinvestitionen in Quick Commerce, das Nutzererlebnis sowie insbesondere in KI- und Cloud-Technologien. Alibaba kommuniziert offen, dass kurzfristige Ergebnisvolatilität zugunsten des langfristigen strategischen Werts hingenommen wird.
Operativ stechen zwei Geschäftsbereiche besonders hervor. Zum einen verzeichnete das Cloud-Geschäft eine sehr starke Dynamik (34 Prozent Umsatzzuwachs), die von der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-bezogenen Produkten getragen wurde. Der Anteil der KI-Umsätze an den Cloud-Erlösen wird immer größer, insbesondere bei externen Unternehmenskunden. Er lag zuletzt aber immer noch bei rund 16 Prozent der Gesamtumsätze. Dies unterstreicht einmal mehr die technologische Positionierung von Alibaba Cloud als zentrale Wachstumsplattform. Die starke Nachfrage bestätigt die Relevanz der massiven Investitionen in Rechenzentren, KI-Infrastruktur und eigene Basismodelle. Andererseits entwickelte sich das Konsumgeschäft trotz des wettbewerbsintensiven Marktumfelds robust. Das klassische Customer-Management-Geschäft blieb mit einem Umsatzanteil von 32 % und einem Wachstum von zehn Prozent ein stabiler Ertragspfeiler, während Quick Commerce deutlich an Bedeutung gewann (60 Prozent Umsatzzuwachs; 9,2 Prozent Umsatzanteil). Dieses Geschäftsfeld erreichte eine kritische Größe, wurde einheitlicher und trug wesentlich zur Steigerung der Nutzeraktivität auf der Taobao-Plattform bei. Besonders wichtig ist dabei, dass sich das Wachstum zunehmend mit besserer Wirtschaftlichkeit verbindet, was auf eine nachhaltigere Skalierung hindeutet.

Quelle: Finanzdaten Cashflow Q3/2025 von Alibaba Group Holding
Die Zahlen auf der Cashflow-Seite zeigen eine deutliche Belastung durch die hohen Investitionen, die um 80 Prozent stiegen. Der operative Cashflow ging um 68 Prozent zurück und der Free Cashflow ist negativ. Dieser belief sich auf mehr als 23 Milliarden HK-Dollar im Minus, was vor allem auf den Ausbau der Cloud- und KI-Infrastruktur sowie auf Investitionen in Quick Commerce zurückzuführen ist. Gleichzeitig verfügt Alibaba weiterhin über eine sehr starke Liquiditätsposition. Diese erlaubt es dem Konzern, die aktuelle Investitionsphase ohne unmittelbaren Finanzierungsdruck zu durchstehen.
Strategisch lässt sich das Quartal als Wendepunkt interpretieren, an dem Alibaba seine Rolle als technologiegetriebenes Plattformunternehmen weiter schärft. Der Konzern priorisiert Skalierung, technologische Führungsposition und Ökosystemstärkung gegenüber kurzfristigen Margen. Die zentralen Kennzahlen signalisieren daher weniger eine operative Schwäche als vielmehr einen bewussten Übergang in eine kapitalintensive Aufbauphase, deren Erfolg sich erst in den kommenden Jahren voll in der Ertragslage widerspiegeln dürfte. Das wiederum ist keineswegs garantiert. Aktuell sind lediglich die Segmente China E-Commerce Group, Cloud Intelligence Group und International Digital Commerce Group profitabel. Sie subventionieren alle anderen Bereiche.
Alibaba-Aktie Prognose 2025
Im veröffentlichten Geschäftsbericht gibt es zwar keine offizielle, verbindliche Umsatz- oder Ergebnisprognose von Alibaba für das Gesamtjahr 2025, jedoch existieren Einschätzungen von Analysten sowie Marktprojektionen, die ein Bild der erwarteten Entwicklung zeichnen. Viele Analysten bleiben hinsichtlich des Wachstums in den kommenden Jahren zuversichtlich. Dieses wird insbesondere durch die Cloud- und KI-Geschäfte sowie die stabile Entwicklung des E-Commerce-Kerns getragen.

Quelle: Umsatzprognose Alibaba 2026, 2027 bis 2032
Für Alibaba wird ein langfristig stabiles und ab Mitte des Prognosezeitraums deutlich beschleunigtes Wachstum impliziert, das über das kurzfristig moderate Expansionstempo hinausgeht. Für das Jahr 2025 wird ein Umsatz von rund 1,1 Billionen HK-Dollar erwartet. Dies entspricht einem vergleichsweise verhaltenen Wachstum von knapp sechs Prozent, was gut zur aktuellen Phase hoher Investitionen und gedämpfter Profitabilität passt. Es dürfte sich aber auch um ein Übergangsjahr handeln, in dem zwar Umsatzwachstum vorhanden ist, das jedoch noch nicht voll von den strategischen Investitionen in Cloud, KI und neue Konsumformate profitiert.

Quelle: Prognosen zu den Umsatzwachstumsraten von Alibaba 2026, 2027 bis 2032
In den Jahren 2026 bis 2028 sollte sich das Umsatzwachstum dann spürbar beschleunigen – mit Raten zwischen gut sechs und über elf Prozent. Eine zunehmende Monetarisierung der aufgebauten Infrastruktur ist hierbei die Grundannahme. Das besonders starke Wachstum ab 2027 deutet weiter darauf hin, dass sich die Investitionen in die Bereiche Cloud und KI zunehmend in skalierbaren Umsätzen niederschlagen und das Konsumgeschäft gleichzeitig wieder an Dynamik gewinnt. Für den Zeitraum ab 2029 unterstellt die Prognose eine Phase relativer Reife mit zwischenzeitlich geringeren Wachstumsraten, gefolgt von einer erneuten Beschleunigung ab 2030. Alibaba könnte also langfristig wieder zweistellige Wachstumsraten erreichen. Dies setzt jedoch voraus, dass sich Alibaba Cloud als führende KI-Infrastrukturplattform etabliert und die internationalen Handelsaktivitäten einen substanzielleren Beitrag zum Konzernumsatz leisten als heute.
Wichtige Kennzahlen der Alibaba-Aktie aus der Levermann-Analyse
Die Levermann-Analyse ergibt für Alibaba insgesamt ein gemischtes, aber durchaus positives Bewertungsbild. Konkret befindet sich die Aktie mit 8 von 13 möglichen Punkten im attraktiven Bereich und liefert damit ein klares Kaufsignal.

Quelle: Levermann-Score der Alibaba-Aktie
Vor allem die Kennzahlen auf fundamentaler Ebene zeigen eine solide Basis. Die Eigenkapitalrendite von 12,8 Prozent liegt auf einem ordentlichen, aber nicht herausragenden Niveau und wird in der Levermann-Logik neutral bewertet. Die EBIT-Marge von gut 15 Prozent spricht hingegen für eine grundsätzlich robuste operative Ertragsbasis, die trotz des hohen Investitionsniveaus eine gewisse Profitabilität signalisiert. Besonders positiv fällt die hohe Eigenkapitalquote von 56 Prozent aus. Sie unterstreicht die starke Bilanzstruktur und gibt Alibaba finanziellen Spielraum für Investitionen, Restrukturierungen und zyklische Schwankungen. Auch die Bewertungskennzahlen wirken positiv. In der Logik der Levermann-Analyse spricht dies klar für eine Unterbewertung, wobei der Markt offenbar weiterhin erhebliche Risiken oder Unsicherheiten einpreist, insbesondere im Hinblick auf Regulierung, Wettbewerb und Ergebnisvolatilität. Aber dazu später mehr im Kapitel Bewertung.
Die Analystenmeinungen auf der Seite der Markteinschätzung zeigen hingegen eine eher skeptische Haltung, was sich negativ in der Punktzahl niederschlägt. Diese Zurückhaltung wird durch die negativen Gewinnrevisionen für die Jahre 2026 und 2027 verstärkt. Auch sie deuten darauf hin, dass die Marktteilnehmer kurzfristig mit weiterem Margendruck rechnen. Ursächlich sind die laufenden Investitionen in KI, Cloud und Quick Commerce, die die Erträge noch über mehrere Jahre hinweg belasten könnten.
Demgegenüber sprechen mehrere momentumbasierte Kennzahlen klar für die Aktie. Die Kursentwicklung der letzten sechs Monate (+36 Prozent) und der letzten zwölf Monate (+85 Prozent) ist sehr stark und signalisiert, dass der Markt die strategische Neuausrichtung zunehmend honoriert. Auch die positive Reaktion auf die letzten Quartalszahlen zeigt, dass selbst schwächere Gewinne von Investoren akzeptiert werden, solange die strategische Vision intakt bleibt.

Quelle: Alibaba Group Holding - Entwicklung des Gewinnwachstum
Besonders positiv ist das ausgewiesene Gewinnwachstum von fast 50 Prozent, das in der Levermann-Analyse als klarer Pluspunkt gewertet wird.
Die Kennzahlen zeigen, dass Alibaba fundamental tendenziell noch attraktiv bewertet ist und über starke strukturelle Voraussetzungen verfügt, der Markt jedoch weiterhin zwischen langfristigem Potenzial und kurzfristigen Unsicherheiten abwägt – nicht grundlos, wie das nachfolgende Kapitel aufzeigen wird.
Bewertung der Alibaba-Aktie
Auf den ersten Blick erscheint die Bewertung von Alibaba mit einem KGV von 20 fair. Dies spiegelt sich in mehreren Kennzahlen wider. Ein so niedriges KGV ist für Tech-Monopolisten im internationalen Vergleich außergewöhnlich und zeugt vor allem von der hohen Skepsis der Investoren. Doch in Wahrheit belasten hohe Investitionen. So werden beispielsweise 53 Mrd. US-Dollar in KI- und Cloud-Infrastruktur investiert. Große Summen fließen auch in das Quick-Commerce sowie eigene KI-Modelle der Qwen-Serie. Diese Investitionen belasten kurzfristig, sollten jedoch langfristig zu einem stärkeren Umsatzwachstum führen. Die Marge könnte also mittel- bis langfristig wieder auf ein solides Niveau steigen; das KGV auf ein attraktives Niveau fallen.

Quelle: Bewertungen der Alibaba-Aktie
Außerdem besteht eine hohe Diskrepanz zwischen KGV und EV/FCF. Der Wert von 891 wirkt auf den ersten Blick sehr hoch, ist aber vor dem Hintergrund der massiven Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur zu interpretieren. Alibaba investiert aktuell erhebliche Mittel in technologiegetriebene Wachstumsbereiche, wodurch der Free Cashflow stark belastet wird. Diese Investitionen sollen die Ertragskraft und Skalierbarkeit der Plattform aber langfristig deutlich erhöhen.

Quelle: Entwicklung wichtiger Kennzahlen der Alibaba-Aktie
Mit einem EV/Sales-Verhältnis von 2,4 ist der große Tech-Konzern nur moderat bewertet. Angesichts potenzieller Umsatzsteigerungen zeigt dies vor allem, dass die Margen aufgrund der strategischen Investitionsphase noch nicht voll reflektiert werden. Und natürlich: Historisch betrachtet war die Aktie aber auch schon mal günstiger, insbesondere in der jüngeren Vergangenheit. Gemessen am IPO-Preis liegt die Bewertung heute auf einem Tiefststand. Allerdings hat sich das Wachstum seither auch merklich abgeschwächt. Zudem sieht das geopolitische Risiko heute vollkommen anders aus als noch vor zehn Jahren.

Quelle: Entwicklung von EV/Sales und Umsatzwachstum der Alibaba-Aktie
Die Aktie ist also günstig, weil der Markt gleich mehrere Unsicherheiten einpreist. Dazu zählen die hohen Investitionen in die Bereiche Cloud, KI und Quick Commerce, die die Profitabilität kurzfristig belasten. Hinzu kommen regulatorische Risiken in China, geopolitische Spannungen und natürlich die Wettbewerbssituation im E-Commerce- und Cloud-Bereich. Gleichzeitig spiegelt die Bewertung wider, dass viele Investoren die mittelfristigen Wachstumschancen und die potenziellen Margensteigerungen aus den technologischen Investitionen noch nicht vollständig einpreisen. Diese Kombination aus kurzfristiger Risikoaversion und langfristigem Wachstumspotenzial führt dazu, dass die Aktie fundamental unterbewertet erscheint und ein für einen Tech-Monopolisten attraktives KGV aufweist.
Fazit zur Alibaba-Aktie
Trotz kurzfristiger Kursrückgänge befindet sich Alibaba seit 2020 weiterhin auf einem langfristigen Wachstumspfad. Das chinesische Tech-Unternehmen profitiert von starken Megatrends wie Digitalisierung, KI und Cloud-Technologie sowie dem strukturell wachsenden Konsummarkt in China. Kurzfristig belasten jedoch regulatorische Maßnahmen, hohe Investitionen und geopolitische Unsicherheiten. Langfristig eröffnen vor allem die Investitionen Chancen für ein nachhaltiges Umsatz- und Gewinnwachstum. Mit einem moderaten 20er-KGV wirkt die Aktie aktuell fundamental attraktiv, insbesondere, da der Markt die mittelfristigen Wachstumsperspektiven und den strategischen Aufbau von Technologie- und Plattformkompetenzen nicht vollständig einpreist. Dafür könnten die politischen Risiken umso mehr eingepreist sein. Sie sind für Alibaba – insbesondere im chinesischen Markt – hoch und haben in den letzten Jahren sogar noch deutlich zugenommen. Ein zentraler Faktor ist die Intensivierung der Regulierung durch die chinesische Regierung, die den Technologiesektor streng überwacht. Dazu zählen Kartelluntersuchungen, Vorgaben zur Datenkontrolle, Einschränkungen bei Finanztechnologien und Vorgaben für Plattformgeschäfte. Sie schränken operative Freiheiten ein, verzögern Investitionspläne und verursachen zusätzliche Kosten. Darüber hinaus bestehen geopolitische Spannungen, vor allem zwischen China und den USA. Sie können sich auf den internationalen Handel, den Zugang zu globalen Märkten oder die Bewertung chinesischer Aktien an westlichen Börsen auswirken. Ähnliches haben wir bei Russland-Aktien beobachtet. Auch Exportbeschränkungen, Sanktionen oder politische Konflikte dürften Alibabas internationale Expansion und Technologiepartnerschaften erschweren.

Quelle: Analystenmeinungen zur Alibaba-Aktie
Dennoch empfehlen 90 Prozent der Analysten, die Aktie zu kaufen. Nur zwei Prozent raten zum Verkauf und acht Prozent zum Halten. Die Analysten sehen bei Alibaba ein deutliches Aufwärtspotenzial. Das mittlere Kursziel liegt bei knapp 200 HK-Dollar, während die Aktie aktuell bei 149,29 HK-Dollar notiert. Das Kurspotenzial über ein Jahr liegt bei rund 33 Prozent. Mit 43 Analystenschätzungen besteht zudem eine relativ breite Konsensbasis, was die Aussagekraft des Kursziels erhöht. Anleger, die einen weiteren Kurspuffer suchen, können sich einen Kursalarm bei 125 HK-Dollar für die Hong-Kong-Notierung der Aktie stellen. In Euro umgerechnet sind das weniger als 14 Euro.
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