Nemetschek (ISIN: DE0006452907) ist einer der führenden Anbieter von Softwarelösungen für die Bau- und Medienbranche – ein deutscher Hidden Champion. Mit seinen spezialisierten Marken deckt das Münchener Unternehmen den gesamten Lebenszyklus von Bauprojekten ab – von der Planung über die Ausführung bis hin zum Betrieb von Gebäuden – und ergänzt dieses Portfolio durch Software für die Medien- und Entertainmentbranche. Im Kern profitiert es von der Digitalisierung der Bauindustrie massiv. Dabei setzt es bei seinen Softwarelösungen konsequent auf wiederkehrende Einnahmen aus Subskriptions- und SaaS-Modellen. Die internationale Expansion und technologische Innovationen sowie KI sorgten für zusätzliche Fantasie. Bis Herbst 2025 sorgte allein diese Kombination für eine unvergleichliche Euphorie. Ständig neue Allzeithochs im Aktienkurs wurden erreicht, doch die Rally scheint vorbei.
Quelle: Entwicklung des Nemetschek-Aktienkurses seit 2006
Eine mögliche Erklärung hierfür liegt klar im hohen Bewertungsniveau, das zunehmend von Investoren angezweifelt wird. Sie nehmen also Gewinne mit, vor allem bei möglichen KI- Verlierern. „Software eats the world” und „KI eats Software” sind wesentliche Narrative. An den operativen Kennzahlen ist dies jedoch noch nicht erkennbar. Zuletzt wurde die zum Halbjahr 2025 nach oben angepasste Jahresprognose mit den Q3-Zahlen nochmals bestätigt. Zudem tätigt das Unternehmen munter Übernahmen und profitiert von intakten Megatrends. Kurzum könnte es langfristig weiterhin möglich sein, zweistellig zu wachsen. Die Frage ist, ob der Champion nach einem Ausverkauf von 44 Prozent eine echte Buy-the-Dip-Chance bietet. Die nachfolgende Nemetschek-Aktienanalyse verrät mehr.
Die Nemetschek Group hat sich auf spezialisierte Softwarelösungen für die gesamte Wertschöpfungskette der Bau- und Immobilienbranche sowie für Medien und Unterhaltung spezialisiert. Nemetschek steht dabei für die durchgängige Digitalisierung komplexer, projektbasierter Industrien, insbesondere der Bau- und Immobilienbranche. Es positioniert sich dabei nicht als einzelner Softwareanbieter, sondern eher als Technologiepartner, der den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks begleitet – von der ersten Planung über die Ausführung bis zum Betrieb. Das Ziel besteht darin, Prozesse effizienter, transparenter und besser vernetzt zu gestalten.
Quelle: AI-Insigts von aktien.guide
Dabei deckt der Konzern unterschiedliche Phasen eines Projekts ab und ist in vier klar voneinander abgegrenzte Segmente strukturiert.
Das Segment Design richtet sich an die frühen Phasen von Bau- und Infrastrukturprojekten. Hier bietet Nemetschek Software für Architektur, Planung und Modellierung, insbesondere im Bereich Building Information Modeling (BIM), an. Zu den Kunden zählen vor allem Architekten, Ingenieure und Planungsbüros. Und obwohl Bauprojekte zyklisch sind, ist das Segment selbst stark durch wiederkehrende Umsätze geprägt. Auch stellt es den Einstiegspunkt der Kunden in das Ökosystem des Konzerns dar. Im Jahr 2024 trug dieser Bereich mit 49 Prozent am stärksten zum Umsatz bei.
Im Segment Build dagegen liegt der Fokus auf der Ausführungs- und Bauphase. Dies ist die zweitumsatzstärkste Sparte des Softwarekonzerns mit einem Anteil von 34 Prozent am Gesamtumsatz. Die Lösungen unterstützen Bauunternehmen bei der Projektabwicklung, der Zusammenarbeit auf der Baustelle, dem Dokumentenmanagement sowie zunehmend bei mobilen und cloudbasierten Anwendungen. Das Segment profitiert dabei besonders von der Digitalisierung der Bauausführung und weist hohe Wachstumsraten sowie eine starke Profitabilität auf. Mit einer EBITDA-Marge von fast 38 Prozent kam zuletzt kein anderes Segment an dieses Ertragsniveau heran.
Mit einem Umsatzanteil von 12 Prozent erreichte die Mediasparte Platz 3. Sie ist ähnlich profitabel wie das Build-Segment, richtet sich aber an Kunden aus den Bereichen Medien, Visualisierung und Entertainment. Es umfasst Software für 3D-Animation, visuelle Effekte und digitale Inhalte. Dieses Geschäft ist weniger direkt an die Baukonjunktur gekoppelt und bietet dem Konzern eine gewisse Diversifikation. Dafür ist es stärker von Investitionszyklen und externen Markteinflüssen abhängig.
Das kleinste Segment mit einem Umsatzanteil von 5 Prozent ist der Bereich „Manage”. Er deckt die Betriebs- und Nutzungsphase von Gebäuden ab. Hierbei geht es um Software für das Facility Management, die Verwaltung von Immobilien und die langfristige Optimierung von Gebäuden im laufenden Betrieb. Der Bereich ist deutlich kleiner als „Design und Build”, gewinnt aber mit steigenden Anforderungen an Effizienz, Nachhaltigkeit und Transparenz zunehmend an Bedeutung. Auch besteht Bedarf bei der Profitabilität. Mit zuletzt knapp 13 Prozent EBITDA-Marge ist es das Segment mit der geringsten Profitabilität.
Technologisch steht das Münchener Unternehmen für den Übergang von analogen zu digitalen Bauplanungen. Auch gelingt der Wandel weg von klassischer Lizenzsoftware und hin zu Cloud-, Subskriptions- und zunehmend KI-gestützten Lösungen. Mit dem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze verbindet Nemetschek langfristige Kundenbeziehungen mit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Produkte. Zum Ende des dritten Quartals 2025 lag ihr Anteil bei rund 92 Prozent des Gesamtumsatzes. Die annualisierten ARR beliefen sich zuletzt auf über eine Milliarde – und sie stiegen um fast 22 Prozent. Künstliche Intelligenz wird zudem gezielt eingesetzt, um Planungsfehler früher zu erkennen, Risiken zu reduzieren und die Produktivität entlang der gesamten Prozesskette zu steigern. Die möglichen Anwendungsgebiete sind vielfältig, weshalb die KI auch ein Katalysator sein kann. Auffallend ist zudem die starke M&A-Aktivität.
Übernahmen sind für Nemetschek dabei ein gezieltes strategisches Instrument und kein Selbstzweck. Der Konzern nutzt Akquisitionen, um technologische Lücken zu schließen, neue Anwendungsfelder zu erschließen und bestehende Segmente gezielt zu stärken. Der Fokus liegt dabei klar auf Softwareunternehmen mit hohem Wachstumspotenzial, starker Cloud- und SaaS-Ausrichtung und guter strategischer Passung zum bestehenden Portfolio.
Ein zentrales Beispiel ist die Übernahme von GoCanvas im Jahr 2024 für etwas 770 Millionen Euro. Mit ihr soll vor allem das Segment Build deutlich erweitert werden. Damit stärkt Nemetschek insbesondere mobile, cloudbasierte Anwendungen für die Bauausführung und Baustellenprozesse. Im Jahr 2025 erfolgte mit der Übernahme von Firmus AI der Schritt in Richtung künstlicher Intelligenz. Das Ziel besteht jedoch nicht darin, KI als isolierte Funktion zu betrachten, sondern sie tief in bestehende Workflows zu integrieren, beispielsweise für die automatisierte Analyse, Fehlererkennung und Risikominimierung. Übernahmen dienen hier vor allem dazu, Geschwindigkeit und Know-how aufzubauen, anstatt Entwicklungen ausschließlich intern voranzutreiben.
Quelle: Entwicklung wichtiger Finanzkennzahlen der Nemetschek Group
Bedenklich könnte dagegen der starke Anstieg der immateriellen Vermögenswerte sein, insbesondere des Goodwills. Sie sind jedoch durch stark steigende Cashflows gedeckt. Und trotz zahlreicher Übernahmen wurde die Anzahl der ausstehenden Aktien nicht verwässert. Auch die Nettoverschuldung hält sich in Grenzen.
Quelle: AI-Insigts von aktien.guide
Ein zentraler Baustein der Konzernstrategie ist dabei die konsequente Umstellung auf Subskriptions- und SaaS-Modelle. Nemetschek treibt diesen Wandel seit mehreren Jahren voran und ist sehr weit fortgeschritten. Der Großteil der Umsätze ist heute wiederkehrend. Investoren lieben das, denn dadurch wird die Abhängigkeit von Einmalverkäufen reduziert und die Sichtbarkeit, Planbarkeit und Skalierbarkeit des Geschäfts deutlich erhöht. Kurzfristige Umstellungseffekte werden dabei bewusst in Kauf genommen, um langfristig stabileres Wachstum und höhere Margen zu erreichen. Parallel dazu verfolgt Nemetschek eine klare Internationalisierungsstrategie. Das Wachstum außerhalb des Heimatmarkts liegt über dem Konzernniveau und der Fokus liegt gezielt auf Regionen mit hohem strukturellem Potenzial. In Märkten wie Indien und Saudi-Arabien baut der Konzern seine lokale Präsenz aus, um näher an den Kunden zu sein und regionale Anforderungen besser abzudecken. Die Internationalisierung dient dabei nicht nur der Umsatzdiversifikation, sondern auch der langfristigen Absicherung gegen konjunkturelle Schwankungen einzelner Märkte. Dabei folgt die Konzernstrategie einer klaren Vision: Nemetschek will der führende offene Softwareanbieter für den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken werden. Im Mittelpunkt stehen dabei offene Standards, ein vernetztes Markenportfolio und die Abdeckung aller Projektphasen. Das Wachstum soll strukturell, international und profitabel erfolgen und durch wiederkehrende Umsätze, technologische Innovation und selektive Akquisitionen gestützt werden. Langfristig will man von zentralen Megatrends wie der Digitalisierung, Automatisierung, Nachhaltigkeit und Produktivitätsdruck in der Bauindustrie profitieren.
Quelle: AI-Insigts von aktien.guide
Der Markt, in dem Nemetschek tätig ist, ist zwar strukturell attraktiv, operativ jedoch anspruchsvoll. Vor allem ist dies so, weil die Bau- und Immobilienbranche stark fragmentiert, zyklisch und von externen Faktoren wie Zinsen, Regulierung und Konjunktur abhängig ist. Viele Akteure investierten zuletzt zurückhaltend, wodurch Projekte verschoben oder in kleinere Phasen aufgeteilt werden. Längere Entscheidungsprozesse könnten dabei schnell zu einem gebremsten kurzfristigen Wachstum der einzelnen Segmente führen.
Gleichzeitig liegt darin aber auch eine große Chance. Der Produktivitätsdruck in der Bauindustrie ist hoch und die Digitalisierung ist kein „Nice-to-have“ mehr, sondern zunehmend notwendig. Software für Planung, Bauausführung und Betrieb hilft dabei, Kosten zu senken, Fehler zu vermeiden und Ressourcen effizienter einzusetzen. Wer auf sie verzichtet, riskiert einen Wettbewerbsnachteil. Vor allem könnte Nemetschek aber davon profitieren, dass der digitale Reifegrad vieler Kunden noch recht niedrig ist, was langfristig ein großes Aufholpotenzial eröffnet. Chancen ergeben sich auch aus dem Wandel hin zu Cloud, SaaS und KI. Wiederkehrende Umsätze erhöhen dabei die Stabilität, während KI-Funktionen echten Mehrwert schaffen, etwa durch frühere Fehlererkennung oder eine bessere Entscheidungsunterstützung. Zudem bieten internationale Wachstumsmärkte zusätzliche Dynamik, da dort Infrastrukturprojekte und Urbanisierung voranschreiten.
Auf der Risikoseite stehen neben den bereits erwähnten operativen Herausforderungen vor allem auch makroökonomische Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und mögliche Handelsbarrieren. Steigende Zölle, höhere Kosten oder eine weiter sinkende Investitionsbereitschaft könnten die Nachfrage belasten. Und auch die Abhängigkeit von Wechselkursen ist ein großes Risiko für international agierende Konzerne. Hinzu kommen Integrationsrisiken aus Übernahmen sowie der erhöhte Wettbewerbsdruck durch andere Softwareanbieter und große Plattformen.
Quelle: AI-Insigts von aktien.guide
Nemetschek bewegt sich traditionell in einem stark fragmentierten Wettbewerbsumfeld, das von spezialisierten Softwareanbietern ebenso geprägt ist wie von großen, globalen Plattformanbietern. Konkurrenten kommen sowohl aus der traditionellen CAD/BIM-Softwarewelt als auch aus dem Cloud- und SaaS-Bereich. Im Design-Segment konkurriert das Unternehmen vor allem mit etablierten Anbietern wie Autodesk oder Bentley Systems, die ebenfalls Lösungen für die Bereiche Architektur, Ingenieurwesen und Bauplanung anbieten. Nemetschek differenziert sich hier durch offene Standards, Interoperabilität zwischen verschiedenen Marken sowie ein stark auf wiederkehrende Umsätze ausgerichtetes SaaS-Modell. Im Build-Segment treten Mitbewerber wie Trimble oder Anbieter von spezialisierten Projektmanagement- und Baustellenlösungen auf. Nemetschek hebt sich ihnen gegenüber durch die Integration mobiler und cloudbasierter Workflows, KI-gestützter Funktionen und die Verbindung mit den eigenen Design-Tools ab. Im Bereich „Manage” konkurriert Nemetschek mit Software für Facility- und Asset-Management, etwa von Planon oder Accruent. Der Vorteil liegt hier in der nahtlosen Integration in den gesamten Bau- und Lebenszyklus. Im Media-Segment stehen die Marken der Nemetschek Group in Konkurrenz zu Anbietern von Visualisierungs- und Animationssoftware wie Autodesk, Adobe oder kleineren Spezialanbietern. Die Herausforderung besteht hier darin, innovative Tools anzubieten, die sowohl die Kreativitätsanforderungen als auch die Effizienzbedarfe der Kunden erfüllen.
Quelle: Nemetschek Peer-Vergleich der Umsätze
Gemessen an ihrer Kapitalisierung und Umsätze sind Autodesk und Adobe die Leuchttürme der Branche. Doch es zeigt sich entsprechender Gegenwind. Einzig Nemetschek kann über die vergangenen drei Jahre ein solides Kursplus vorweisen. Doch auch hier bröckeln die Kursgewinne zunehmend ab. Einerseits liegt das daran, dass KI immer mehr Funktionen übernehmen könnte, die bisher mit CAD/BIM-Software ausgeführt wurden. Ob sich dieses Narrativ tatsächlich bestätigt, bleibt abzuwarten. Betrachtet man die Umsatzentwicklung, so lassen sich Schwächen im Wachstum nur bei Trimble feststellen.
Im dritten Quartal 2025 setzte Nemetschek jedenfalls sein starkes Wachstum fort und verbesserte gleichzeitig seine Profitabilität. Der Umsatz stieg konkret um 16 Prozent, vor allem getrieben vom Subskriptions- und SaaS-Geschäft, das inzwischen den Kern des Konzerns bildet. Die jährlich wiederkehrenden Umsätze wuchsen schneller als der Gesamtumsatz und überschritten erstmals die Marke von einer Milliarde Euro. Dies unterstreicht die hohe Visibilität und Planbarkeit des Geschäfts. Parallel dazu legte das operative Ergebnis überproportional zu. Das EBITDA wuchs deutlich stärker als der Umsatz, wodurch sich die Marge im Quartal auf über 32 Prozent erhöhte. Auch das Ergebnis je Aktie stieg deutlich, was zeigt, dass das Wachstum direkt bei den Aktionären ankommt und nicht durch steigende Kosten aufgezehrt wird. Einziger Wermutstropfen ist jedoch, dass sich das Wachstum im Vergleich zum Vorquartal sichtlich verlangsamt hat. Zum Halbjahr wurde hier noch ein Umsatzplus von fast 19 Prozent ausgewiesen.
Quelle: Finanzdaten von Nemetschek
Im Segment Design konnte Nemetschek erneut ein zweistelliges Umsatzwachstum mit 11,6 Prozent erzielen. Treiber waren vor allem Subskriptions- und SaaS-Umsätze sowie gezielt eingesetzte Mehrjahresverträge, um Kunden schneller auf das neue Modell umzustellen. Die Marge blieb trotz der Umstellungseffekte und externer Sonderbelastungen solide. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment Build, das mit 26,6 Prozent erneut sehr stark wuchs, obwohl die Vergleichsbasis aus dem Vorjahr höher war. Hier profitierte Nemetschek zusätzlich von der Akquisition von GoCanvas. Die deutlich angestiegene EBITDA-Marge auf 37,7 Prozent zeigt, dass das Segment trotz der Integration neuer Geschäftsbereiche hochprofitabel arbeitet. Im Segment „Manage” fiel das Wachstum mit 7,3 Prozent moderater aus, dafür verbesserte sich die Profitabilität spürbar. Neue Großaufträge sorgten für eine stabilere Entwicklung und eine deutlich höhere Marge von 12,7 Prozent als im Vorjahr (7,2 Prozent). Das Media-Segment dagegen entwickelte sich verhaltener, was man am Umsatzrückgang von -0,3 Prozent erkennen kann. Dies ist vor allem auf externe Effekte und eine zurückhaltende Investitionsbereitschaft der Kunden zurückzuführen. Bereinigt um Sondereffekte hätte auch dieses Segment ein solides Wachstum erzielen können. Positiv ist jedoch, dass hier die Profitabilität nicht nur stabil blieb, die EBITDA-Marge im Quartal sogar leicht auf 37,5 Prozent verbesserte. Bereinigt um die Sondereffekte hätte das Segment ein solides, wenn auch deutlich schwächeres Wachstum als die übrigen Geschäftsbereiche erzielt. Strategisch wichtig ist zudem der Ausbau der KI-Kompetenzen. Mit der Übernahme von Firmus AI stärkt Nemetschek insbesondere im Build-Segment seine Fähigkeiten in der automatisierten Analyse und Risikofrüherkennung.
Aufgrund der starken Ergebnisse der ersten neun Monate 2025 geht Nemetschek für das Gesamtjahr weiterhin von einem hohen Umsatzwachstum aus, das deutlich über dem Marktniveau liegt und sowohl organisch als auch durch Zukäufe getragen wird. Konkret rechnet das Unternehmen währungsbereinigt mit einem Umsatzwachstum zwischen 20 und 22 Prozent. Ein relevanter Teil davon stammt aus der Übernahme von GoCanvas, die spürbar zum Wachstum beiträgt. Der Großteil stammt jedoch weiterhin aus dem laufenden Geschäft und der starken Nachfrage nach Subskriptions- und SaaS-Lösungen. Auch auf der Ergebnisseite zeigt sich Nemetschek zuversichtlich. Trotz des temporär verwässernden Effekts durch die GoCanvas-Akquisition erwartet der Vorstand für das Gesamtjahr eine EBITDA-Marge von rund 31 Prozent. Es ist also gut möglich, dass das hohe Profitabilitätsniveau auch in einer Phase des starken Wachstums und der laufenden Integration gehalten werden kann. Gleichzeitig weist Nemetschek darauf hin, dass der Ausblick von stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausgeht. Mögliche Belastungen durch geopolitische Spannungen, steigende Zölle oder eine gedämpfte Investitionsbereitschaft sind in der Prognose nicht eingerechnet und stellen weiterhin externe Risikofaktoren für den weiteren Jahresverlauf dar. Gleiches gilt für den immer stärker werdenden Euro.
Quelle: Umsatz- und Margenprognose Nemetschek 2025, 2026 bis 2033
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei Betrachtung der Prognosen der Analysten. Für 2025 wird mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro gerechnet, was einem Wachstum von etwas über 20 Prozent entspricht. Die Nettomarge wird sich gemäss Analysten auf 19,2 Prozent erhöhen. Langfristig betrachtet sollte der Wachstumskurs beibehalten werden. Durchweg rechnen die Analysten mit einem zweistelligen Wachstum. Unter Berücksichtigung von Skaleneffekten könnte die Nettomarge bis 2033 auf rund ein Viertel des Umsatzes steigen.
Die HGI-Analyse zeigt, dass Nemetschek nach wie vor ein starkes Wachstumsprofil mit hoher Profitabilität aufweist. Mit einem HGI-Score von 14 von 18 Punkten ist das Unternehmen im oberen Bereich positioniert und weist eine attraktive Kombination aus Wachstum und hohen Margen zu günstiger Bewertung auf. Zu kritisieren ist vor allem das gemäßigte Wachstum, das unter anderem durch externe Übernahmen befeuert wurde. Aber erstmal mehr zu den Highlights der HGI-Analyse.
Quelle: HGI-Score der Nemetschek-Aktie
Besonders stark ist Nemetschek bei der Bruttomarge (96 Prozent) und dem Rule-of-40-Score (58 Prozent). Letztere Kennzahl zeigt eine sehr hohe operative Effizienz bei gleichzeitig solidem Umsatzwachstum. Auch das aktuelle Umsatzwachstum von 25 Prozent auf Basis der letzten zwölf Monate ist überdurchschnittlich, wenn auch im Vergleich zu den Margen und dem Rule-of-40-Score etwas niedriger bewertet. Der EV/Sales-Faktor von 8,3 ist attraktiv. Für alle drei Kennzahlen gab es die Höchstpunktzahl von drei Punkten. Für die übrigen Kennzahlen der HGI-Analyse gab es jeweils zwei Punkte. Der Verschuldungsgrad von 0,57 ist moderat und lässt Spielraum für weitere Investitionen oder Akquisitionen. Das PEG-Ratio von 1,4 ist zwar nicht wirklich günstig, für einen Wachstumswert könnte die Kennzahl aber noch als fair erscheinen.
Die Bewertung der Nemetschek-Aktie zeigt, dass der Markt das hohe Wachstum und die starke Profitabilität bereits einpreist. Mit einem EV/Sales von 8,3 liegt die Aktie im oberen Bereich für Softwareunternehmen. Gemessen am erwarteten KGV von 38,5 ist die Aktie jedenfalls teuer. Etwas besser sieht es beim EV/FCF von 25 aus. Diese Kennzahl zeigt, dass die Aktie im Verhältnis zum freien Cashflow angemessen bewertet sein kann – insbesondere angesichts der hohen Profitabilität und der stabilen, wiederkehrenden Umsätze. Unter Berücksichtigung des erwarteten Umsatzwachstums von 20 Prozent könnte die Bewertung tatsächlich im Rahmen des Machbaren sein. Allerdings werden die hohen Wachstumsraten auch durch außerordentliche anorganische Zuwächse verzerrt..
Quelle: Dividendenentwicklung der Nemetschek seit 2004
Und auch wenn es bei Nemetschek Dividenden gibt, ist die erwartete Dividendenrendite von 0,7 Prozent eher gering. Das zeigt, dass Nemetschek den Großteil des Cashflows in Wachstum, Akquisitionen und Produktentwicklung reinvestiert. Die Ausschüttungsquote liegt bei lediglich rund einem Drittel des Gewinns. Gleichzeitig hat sich das Unternehmen als solider Dividendenwachstumswert etabliert. Überzeugend sind dabei nicht nur die lange Historie der Dividendenzahlungen, sondern auch die Kontinuität der Dividendenerhöhungen. Für einen Topscorer-Status in der Dividendenstrategie reicht es dennoch nicht – maßgeblich aufgrund der geringen Rendite.
Quelle: Entwicklung des KGVs der Nemetschek-Aktie seit 2006
Betrachtet man die Historie der Bewertung, so wurde im Durchschnitt der letzten zehn Jahre ein Multiplikator von 57 gezahlt. Aktuell liegen wir mit 43 deutlich darunter. Im 20-Jahresdurchschnitt liegen wir allerdings noch darüber. Dass die Aktie historisch hoch bewertet war, hat Gründe. Das Unternehmen agiert nicht nur in einem Megatrendmarkt, sondern erwirtschaftet auch einen großen Teil seiner Umsätze mit Subskriptionen und SaaS-Modellen, kann diese zweistellig steigern. Auch gibt es Burggräben durch Lock-In-Effekte und Branchenstandards. Das erregte die Fantasie der Investoren. Damals erkannte jedoch noch niemand, wozu KI wirklich imstande ist. Künstliche Intelligenz könnte zukünftig mehr und mehr der Produkte liefern, die Nemetschek programmiert. Dennoch sehen die langfristigen Perspektiven meines Erachtens nicht schlecht aus. KI könnte hier auch als Katalysator wirken, die Equity-Story scheint damit nach wie vor intakt. Nicht zuletzt könnten durch Investitionen in KI und Übernahmen auch zukünftig zweistellige Umsatzwachstumsraten möglich sein. Angesichts dieser Sachverhalte halte ich die Aktie mit einem Free Cashflow-Multiplikator von 25 für durchaus attraktiv. Ausschlaggebend wird jedoch die Entwicklung des Umsatzwachstums sein.
Nemetschek ist ein wachstumsstarkes und profitables Unternehmen mit einem klar fokussierten Geschäftsmodell. Es setzt auf wiederkehrende Subskriptions- und SaaS-Umsätze, internationale Expansion und technologische Innovationen. Die Segmente Design und Build treiben das Wachstum, während die Segmente Manage und Media das Portfolio abrunden. Strategische Übernahmen und die Integration von KI stärken die Position des Konzerns zusätzlich. Trotz kurzfristiger Kurskorrektur bleibt die fundamentale Lage robust: Das Unternehmen ist finanziell solide aufgestellt und die langfristigen Wachstumsperspektiven sind attraktiv. Vielmehr könnte historisch betrachtet könnte der jüngste Kurssturz eine Einstiegschance sein, sofern KI kein Disruptor ist und es auch sonst wettbewerbstechnisch wenig Gegenwind gibt. Langfristig dürften die Megatrends intakt sein. Die Digitalisierung der Baubranche ist noch lange nicht abgeschlossen. Darauf deuten auch die weiterhin zweistelligen Wachstumsraten hin.
Quelle: Analystenmeinungen zur Nemetschek-Aktie
Die Mehrheit der Analysten bewertet die Nemetschek-Aktie weiterhin positiv: 54 Prozent empfehlen „Kaufen”, 33 Prozent „Halten” und nur 13 Prozent raten zur Vorsicht. Das mittlere Kursziel liegt bei 124,95 Euro, der aktuelle Kurs hingegen bei 73,75 Euro. Daraus ergibt sich ein theoretisches Kurspotenzial von rund 69 Prozent über ein Jahr gesehen. Die Einstufungen basieren auf 22 Schätzungen und stellen somit eine solide Basis für die Konsensmeinung dar. Wer ebenfalls unsicher ist, kann sich im aktien.guide einen Alarm stellen. Ein KGV-Marker von 38 im 20-jährigen Durchschnitt wäre ein guter Anhaltspunkt, um die Aktie erneut zu betrachten.