Adobe Aktienanalyse: Marktführer mit Abschlag?

5.2.2025 | High-Growth-Investing

Adobe Aktienanalyse: Marktführer mit Abschlag?

Adobe gilt als Marktführer im Bereich von Software für Content-Creator. Diese Zielgruppe wächst und wird durch den verstärkten Medienkonsum im Internet immer finanzkräftiger. Ist die Adobe Aktie...

Inhaltsverzeichnis

Die Adobe-Aktie beendete 2021 ihren jahrzehntelangen Höhenflug mit einem kräftigen Kurssturz. Wir haben bereits 2022 darüber berichtet und diskutiert, ob die Aktie ein Kauf sein könnte. Das Fazit damals: Die Bewertung ist deutlich günstiger geworden, die Aktie war aber immer noch als teuer einzustufen.

Seitdem konnte die Aktie zwar um 21 Prozent zulegen, doch im Vergleich zum Gesamtmarkt handelt es sich um eine klare Underperformance. Zudem scheint sich eine Seitwärtsbewegung einzustellen.

Quelle: Entwicklung des Aktienkurses der Adobe-Aktie

Über ein Jahr ist sogar ein Minus von 30 Prozent zu verzeichnen. Dafür gibt es Gründe: Inzwischen sind neue Bedrohungen durch KI aufgetaucht. Wie sich die Aktie in diesem herausfordernden Umfeld schlägt und ob sie derzeit ein Kauf sein könnte, verrät das folgende Update der Adobe Aktienanalyse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Adobe hat mit starker Konkurrenz durch KI-Bilder und -Videos zu kämpfen
  • Das Wachstum dürfte dennoch mittelfristig hoch bleiben
  • Ein 24er-KGV auf die Free Cashflows ist immer noch kein Schnäppchen

Unternehmensprofil der Adobe Aktie kurz erklärt – führender Anbieter von Software für Publisher

Das Geschäftsmodell von Adobe basiert auf der Entwicklung und dem Vertrieb von Softwarelösungen für kreative Arbeitsprozesse, digitales Marketing und Dokumentenmanagement. Einen wesentlichen Teil des Umsatzes generiert das in San José ansässige Unternehmen über Subskriptionsmodelle im Rahmen der Creative Cloud, die Programme wie Photoshop, Illustrator und Premiere Pro umfasst. Schon früh setzte das Unternehmen mit dem roten A als Logo auf diesen Vertriebsweg und profitierte als einer der Pioniere stark vom Marktboom der flexiblen Vertriebsform für Software.

Ergänzt wird das Angebot durch die Document Cloud, die digitale Lösungen für Dokumentenmanagement und elektronische Signaturen bereitstellt. Mit der Experience Cloud bietet Adobe zudem Plattformen und Services für digitales Marketing und personalisierte Kundenerlebnisse. Das Unternehmen richtet sich mit umfassenden Lizenzmodellen und maßgeschneiderten Lösungen sowohl an Einzelanwender als auch an Unternehmen – und hier überwiegend Kreative, Kleinunternehmen und Mittelständler.

Letzte Adobe-Quartalszahlen und Prognose

Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Adobe einen Umsatz von 21,5 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Umsatzwachstum ist respektabel, es zeigt aber auch keine ernstzunehmende Dynamik. Immerhin konnte das Umsatzwachstum gehalten und die Margen konsequent gesteigert werden.

Quelle: Entwicklung von Umsatzwachstum und EBIT-Marge der Adobe-Aktie

Vielmehr hält sich das Wachstum nur knapp über der 10-Prozent-Marke. Und das hat seine Gründe: Nicht nur, dass sich der Markt langsam einer Sättigung nähert, sondern es gibt mittlerweile auch konkrete Bedrohungen von technologischer Seite. So existieren gute KI-Tools von OpenAI, Runway oder Leonardo, die die Content-Produktion unterstützen. Mit ihnen lassen sich Kampagnen zu einem Zehntel der Kosten produzieren, die mit Adobe-Produkten anfallen.

Auch das australische Unternehmen Canva ist mit seiner gleichnamigen App zur visuellen Bearbeitung weiter auf der Überholspur. Den Wettbewerber Figma wollte man schließlich für 20 Milliarden US-Dollar übernehmen. Der teure Deal scheiterte aber aufgrund von internen Widerständen.

Obwohl auch Adobe KI-basierte Produkte wie die generative KI-Plattform Firefly oder das KI-Framework Adobe Sensei anbietet, bietet die neue Technologie vor allem Neueinsteigern der Branche die Chance, die tiefe Burggräben von Adobe zu durchbrechen. Hiervon kann man in den Adobe-Zahlen bisher nur wenig erkennen. Der Umsatz wächst munter weiter.

Quelle: Finanzdaten von Adobe, aktien.guide

Besser sah es auf der Ergebnisseite aus. Hier konnte das EBIT um 19 Prozent auf 7,8 Mrd. US-Dollar gesteigert werden. Das EPS-Wachstum konnte allerdings nicht mithalten und stieg auf bereinigter Basis nur um 14 Prozent. Vor allem die weiterhin hohen aktienbasierten Vergütungen belasteten das ausgewiesene Ergebnis mit 1,9 Mrd. US-Dollar.

Erfreulicherweise werden nun aber vermehrt eigene Aktien über große Aktienrückkaufprogramme zurückgekauft, was den Verwässerungseffekt durch die Mitarbeiteraktien überkompensiert. In den letzten sechs Jahren waren es fast 10 Prozent der ausstehenden Aktien, die über den Markt erworben wurden. Doch sollte Adobe nicht lieber in Innovation investieren, um das Wachstum zu erhöhen?

Quelle: Entwicklung der Adobe Aktienanzahl; aktien.guide Charts

Im Segment Digital Media stieg der Umsatz auf 15,9 Milliarden US-Dollar, mit einem Anstieg des Annual Recurring Revenue (ARR) um 2 Milliarden US-Dollar. Die Document Cloud verzeichnete dagegen ebenfalls ein starkes Wachstum auf 3,2 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 18 Prozent entsprach. Nicht zu vergessen sind die Umsätze im Kreativbereich. Sie stiegen auf 12,7 Milliarden US-Dollar (+10 Prozent), während das Segment Digital Experience einen Umsatz von 5,4 Milliarden US-Dollar (+10 Prozent) erzielte. Das Abonnementgeschäft im Bereich Digital Experience wuchs um 12 Prozent auf 4,9 Milliarden US-Dollar.

Ausblick auf 2025

Auch 2025 soll es weiter aufwärts gehen. Die Amerikaner halten im Folgejahr einen Umsatz von bis zu 23,6 Milliarden US-Dollar für möglich. Im Idealfall wäre das allerdings nur noch ein Wachstum von unter 10 Prozent. Der Gewinn je Aktie non-GAAP, also bereinigt, sollte im besten Fall bei 20,50 US-Dollar liegen. Bezogen auf 2024 entspräche dies einem leicht überproportionalen Wachstum von 11 Prozent – wohl auch dank der gesunkenen Aktienanzahl.


Quelle: Adobe Earnings Release Q4/2024

Auch Analysten blicken optimistisch in die Zukunft. Bis 2030 halten sie einen Umsatz von bis zu 30 Milliarden US-Dollar für möglich. Damit würde das Umsatzwachstum im Prognosemodell weiterhin hartnäckig ausfallen und erst ab 2027 nachhaltig einstellig werden.

Quelle: Erwartetes Umsatz und EBITDA-Wachstum von Adobe bis 2030

Gleichzeitig dürften sich aufgrund der Skalierbarkeit des Geschäftsmodells die Margen weiter erhöhen. Die EBITDA-Marge sollte sich von 40 Prozent auf über 48 Prozent erhöhen.

Wichtige Kennzahlen der Adobe Aktie aus der HGI-Analyse

In den Strategieanalysen ist die Adobe-Aktie weiterhin nur in der High-Growth-Investing-Strategie unter den Topscorern zu finden.

Quelle: Adobe Aktie in Anlagestrategien

Hier überzeugt die Adobe Aktie mit mehreren starken Kennzahlen. Besonders positiv sind die hohe Bruttomarge von 88 Prozent, der niedrige Verschuldungsgrad von 0,43 und der solide Rule-of-40-Score von fast 48 Prozent. Diese Werte deuten auf eine gute Profitabilität und finanzielle Gesundheit hin. Und in der Tat: Die Bilanz weist fast acht Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen aus – Tendenz steigend.

Quelle: HGI-Score der Adobe Aktie

Das EV/Sales-Multiple von 8,9 und das PEG-Ratio von knapp zwei zeigen dagegen ein im Verhältnis zum Wachstum nur angemessenes Bewertungsniveau. Demgegenüber ist das Umsatzwachstum mit rund 11 Prozent vergleichsweise moderat und erhält keinen Punkt – zu wenig für eine echte High-Growth-Aktie.

Bewertung der Adobe Aktie

Die Bewertung der Adobe-Aktie liegt damit weiterhin auf einem anspruchsvollen, aber angemessenen Niveau. Mit einem erwarteten KGV von 27 für das Fiskaljahr 2025 und einem EV/FCF-Multiplikator von 24 wird das zukünftige Gewinnpotenzial und der freie Cashflow tendenziell aber fair bewertet, legt man das zweistellige EPS-Wachstum zugrunde.

Quelle: Bewertungen der Adobe-Aktie

Doch an der Börse werden Zukunftserwartungen gehandelt. Und die könnten für Adobe nicht gut aussehen, wenn die Bedrohungen durch KI-Tools und mobile Apps weiter zunehmen. Der Markt dürfte derweil weiterhin als Zukunftsmarkt gelten, der von der Digitalisierung im Allgemeinen profitiert. Hohe Burggräben von Adobe verhindern tendenziell stärkere Marktanteilsverluste.

Fazit zur Adobe Aktie

Die Adobe-Aktie bleibt grundsätzlich ein Top-Pick im Technologiesektor. Allerdings geht dem Erfinder des Acrobat Readers langsam die Puste aus. Analysten rechnen noch einige Jahre mit zweistelligen Umsatzwachstumsraten, danach könnte es endgültig einstellig sein. Vor allem eine mangelnde Bereitschaft, in Innovation zu investieren, ist hierfür verantwortlich. Im Fokus stehen hier mittlerweile große Übernahmen und Aktienrückkäufe.

Das größte Problem dürfte aber der Druck auf Marktanteile und Preise durch KI sein. Zwar gibt es eigene Lösungen, um in diesem Markt mitzuspielen, aber das Risiko, dass die Integration neuer KI-Technologien wie Firefly nicht den Marktanforderungen entspricht oder die Nutzer nicht vollständig überzeugt, bleibt eine Konstante, mit der sich Investoren vorerst arrangieren müssen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Bewertung mit einem FCF-Multiplikator von 24 auf den Enterprise Value keineswegs als Schnäppchen. 


Quelle: Analystenmeinungen zur Adobe-Aktie


Immerhin sehen fast 70 Prozent der Analysten die Aktie als Kauf an, was für die Überzeugung des Marktes spricht. Legt man das durchschnittliche Kursziel zugrunde, ergibt sich ein Kurspotenzial von 31 Prozent. Das wäre zumindest ein ansehnlicher Risikopuffer für das potenzielle Risiko der Aktie.

 

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Der Autor und/oder mit dem aktien.guide verbundene Personen oder Unternehmen besitzen oder können Anteile von Adobe besitzen. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.
Frank Seehawer

Autor: Frank Seehawer

Frank Seehawer ist mehrere Jahre als Investor Relations Manager und Wertpapieranalyst tätig gewesen. Als graduierter Ökonom beschäftigt er sich schon seit über 20 Jahren mit den Aktienmärkten im In- und Ausland. Sein Fachwissen über Aktien teilt er als freier Autor unter anderem mit den Lesern der deutschen Ausgabe von Motley Fool.