Adyen (ISIN: NL0012969182) ist einer der weltweit führenden Anbieter von Zahlungsinfrastruktur. Das europäische Unternehmen hat sich dabei in den letzten Jahren von einem schnell wachsenden Fintech zu einer hochprofitablen Plattform mit globaler Reichweite entwickelt. Es profitiert strukturell vom weltweiten Trend zu digitalen Zahlungen, E-Commerce und Omnichannel-Handel. Gleichzeitig gehört Adyen aber auch zu den wenigen Zahlungsunternehmen, die starkes Wachstum mit sehr hoher Profitabilität und einer soliden Bilanz kombinieren. Für Investoren war die Aktie stets eine Ausnahmeerscheinung; aber auch interessant, da sie mehrere zentrale Investment-Themen vereinte. Dazu gehörten strukturelles Marktwachstum, Plattform-Skaleneffekte, hohe Margen und eine starke Kundenbindung. Doch die Equity Story hat Risse bekommen. Nach einer Vervielfachung und Erreichen eines Allzeithochs bei rund 2.745 Euro gegen Ende 2021 ist die Aktie stark gefallen.
Quelle: Entwicklung des Aktienkurses der Adyen-Aktie Seit IPO
Aktuell zahlt man nur noch rund ein Drittel des Wertes von 2021. Dabei sehen die langfristigen Perspektiven weiterhin gut aus. Der Ausverkauf hat jedoch seine Gründe. So wird Anlegern beispielsweise immer mehr klar, dass Adyen kein klassischer Early-Stage-Growth-Titel mehr ist. Das Wachstum normalisierte sich in den letzten Jahren, während die Bewertung weiterhin ein Qualitäts-Premium widerspiegelt. Dadurch entsteht eine typische Quality-Growth-Story mit gleichzeitig erhöhten Bewertungsrisiken. Es entstehen aber auch Risiken durch neue Wettbewerber wie Apple oder Alphabet. Zwar bieten sie noch nicht das gleiche wie Adyen, doch die Angst ist groß, dass diese gut kapitalisierten Konzerne Adyen und Co. das Geschäft streitig machen könnten. Diese heutige Adyen-Aktienanalyse bewertet deshalb entlang von vier Kernfragen: Wie stark ist das Geschäftsmodell strukturell? Wie nachhaltig ist das Wachstum im aktuellen Wettbewerbsumfeld? Wie gerechtfertigt ist die aktuelle Bewertung? Und welche Chancen und Risiken ergeben sich durch Wettbewerb, Marktstruktur und Big-Tech-Einfluss im Zahlungsmarkt?
Das Geschäftsmodell von Adyen basiert darauf, Unternehmen weltweit eine einheitliche Zahlungsinfrastruktur zu bieten. Über Adyen können Händler beispielsweise Zahlungen online, im Laden und in Apps abwickeln. Im Kern verdient Adyen somit Geld damit, dass es den kompletten Zahlungsprozess für Händler technisch betreibt und kontrolliert. Die eigene Plattform verbindet Händler direkt mit Karten-Netzwerken, Banken und lokalen Zahlungsmethoden. Zusätzlich übernimmt Adyen Funktionen wie Auszahlungen, Reporting oder Datenanalyse. Durch sie können Händler ihre Zahlungen und Finanzprozesse aus einer Hand steuern, während Adyen an jeder abgewickelten Zahlung indirekt mitverdient. Das Besondere am Kerngeschäft ist jedoch auch, dass Adyen den gesamten Zahlungs-„Stack” selbst betreibt, anstatt viele Drittanbieter nur zu integrieren. Dadurch sinken Kosten und Komplexität und Adyen kann große Händler global über eine einzige Plattform bedienen. Gleichzeitig wächst das Geschäftsmodell stark mit dem Zahlungsvolumen der Kunden, da mehr Verkäufe automatisch mehr über Adyen abgewickelte Transaktionen bedeuten. Der Fokus lag früh auf schnell wachsenden Start-ups. So konnte man dynamisch von ihrem Wachstum profitieren.
Quelle: AI Insights von aktien.guide
Beim Erlösmodell steht die Transaktion eindeutig im Mittelpunkt. Adyen verdient vor allem an Gebühren pro Zahlung. Diese setzen sich typischerweise aus einem festen Betrag plus einem prozentualen Anteil am Transaktionswert zusammen. Somit ist der Umsatz direkt an den Erfolg der Händler gekoppelt: Verkaufen Händler mehr, steigt auch der Umsatz von Adyen. Zusätzlich fallen Gebühren für die Auszahlung und Abwicklung der Gelder an die Händler – sogenannte Settlement-Gebühren – an. Neben diesen Basisgebühren erschließt Adyen systematisch weitere Erlösquellen entlang der Zahlungsstrecke. Dazu gehören Plattform- und Servicegebühren, beispielsweise für Betrugsprävention, Datenanalysen, POS-Lösungen oder zusätzliche Finanzfunktionen. Teilweise gibt es auch abonnementartige Gebühren für Premiumfunktionen oder den Plattformzugang. Die Zusatzservices erhöhen die Kundenbindung und sorgen für wiederkehrende Umsätze über die reine Transaktion hinaus. Ein wichtiger Aspekt ist außerdem das sogenannte „Interchange-plus“-Modell. Dabei gibt Adyen viele externe Kosten – zum Beispiel Gebühren von Kartennetzwerken – direkt weiter und verdient vor allem an einem Aufschlag für die eigenen Zahlungs- und Acquiring-Leistungen. Dadurch bleibt die Preisstruktur transparent, während Adyen an großen Volumina stabile Margen erzielt. Fast 99 Prozent der Nettoumsätze lassen sich diesem Bereich zuordnen. Rund ein Prozent der Umsätze geht auf Zinserträge zurück.
Der Markt für die digitale Zahlungsabwicklung weist einige Besonderheiten auf, durch die er sich stark von klassischen Software- oder Finanzmärkten unterscheidet. Eine zentrale Eigenschaft ist beispielsweise das sehr starke strukturelle Wachstum. Digitale Zahlungen nehmen weltweit kontinuierlich zu. Immer mehr Konsumenten bezahlen online, mobil oder kontaktlos. Langfristig wächst der globale Markt für Zahlungsabwicklung – um rund 15 bis 16 Prozent pro Jahr. Getrieben wird dieses Wachstum vor allem durch den E-Commerce, Mobile Wallets und die Automatisierung in Unternehmen. Gleichzeitig bevorzugen inzwischen über 70 Prozent der Verbraucher digitale Transaktionen, was den strukturellen Rückenwind für Anbieter wie Adyen verstärkt. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist die Plattform- und Netzwerkeigenschaft des Marktes. Zahlungsanbieter sind stark in die bestehende Finanzinfrastruktur eingebettet, zu der Karten-Netzwerke, Banken und Regulierungssysteme gehören. Das wiederum führt zu hohen Eintrittsbarrieren, da neue Anbieter globale Lizenzen, Compliance-Systeme, Bankpartnerschaften und das Vertrauen von Händlern erst aufbauen müssen. Gleichzeitig entsteht aber dadurch auch eine starke Skalierungslogik: Wer einmal große Volumina verarbeitet, kann die Kosten pro Transaktion senken und die Margen verbessern. Aus diesen Marktbesonderheiten ergeben sich für Unternehmen wie Adyen mehrere Chancen.
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Die wohl wichtigste Chance ist das langfristige Wachstum durch die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Der Trend zu Omnichannel-Commerce, Echtzeit-Zahlungen, internationalem E-Commerce und Embedded Finance führt dazu, dass immer mehr Zahlungsvolumen über Plattformanbieter abgewickelt wird. Gleichzeitig investieren die Händler zunehmend in integrierte Zahlungssysteme und Multichannel-Gateways, wodurch sich der Bedarf an Komplettplattformen wie die von Adyen erhöht. Eine weitere Chance liegt aber auch in der technologischen Differenzierung. Denn Anbieter, die eine integrierte Plattform statt vieler Einzellösungen bereitstellen, können Daten besser nutzen, Betrug effektiver erkennen und neue Zahlungsarten schneller integrieren. Zusätzlich können neue Umsatzquellen durch Mehrwertservices wie Betrugsprävention, Datenanalyse oder Finanzprodukte entlang der Zahlungsstrecke entstehen.
Betrachten wir nun die Risiken. Ein zentrales Risiko geht dabei von Wettbewerbern aus dem Fintech- und Big-Tech-Bereich aus. Neue Technologien, aggressive Preisstrategien oder hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung können hier schnell zu Verschiebungen der Marktanteile führen. So gewinnen Wettbewerber beispielsweise durch starke API-Integration, globale Expansion oder neue Technologien wie Blockchain-basierte Zahlungsformen Marktanteile. Ein zentrales Risiko liegt jedoch in der Regulierung und der Abhängigkeit von Infrastrukturpartnern. Zahlungsanbieter müssen weltweit komplexe Finanzregeln einhalten. Änderungen bei der Regulierung, dem Datenschutz oder den Authentifizierungsanforderungen können schnell die Kosten erhöhen oder die Geschäftsmodelle verändern. Tatsächlich sind gerade diese Regulierungen und Compliance-Anforderungen in der Praxis ein Burggraben. Zusätzlich sind Zahlungsanbieter indirekt von Karten-Netzwerken und Banken abhängig, die ihre Preise oder Regeln verändern können. Ein strukturelles Risiko besteht auch im Bereich Cybersicherheit und Betrug. Mit zunehmender Digitalisierung vergrößert sich leider auch die Angriffsfläche für Phishing, Malware oder Datenlecks. Sicherheitsvorfälle können da schnell hohe finanzielle Schäden und Vertrauensverluste verursachen, was wiederum zu steigenden Investitionen in Sicherheit und Compliance führen kann.
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Die Wettbewerbslandschaft von Adyen ist breit und vielschichtig, da der Zahlungsmarkt mehrere Segmente vereint: klassische Zahlungsabwickler, moderne Fintech-Plattformen, Wallet-Ökosysteme und integrierte Zahlungsanbieter, die Software nutzen. Im Kern konkurriert Adyen aber vor allem mit globalen Payment-Plattformen wie Stripe, PayPal über Braintree, FIS, Global Payments und Fiserv sowie mit schnell wachsenden Fintechs wie Checkout.com. Gleichzeitig entsteht Konkurrenz durch softwarebasierte Anbieter wie Block oder Toast, die Zahlungen direkt in Geschäftssoftware integrieren. Ein besonders wichtiger Wettbewerber ist Stripe. Das Unternehmen gilt als klassischer „API-first“-Gegenspieler zu Adyen. Während Adyen historisch stark im Enterprise-Segment vertreten war, stammt Stripe aus der Entwickler- und Start-up-Welt und expandiert zunehmend in Richtung Großkunden. Stripe konkurriert mit Entwicklerfreundlichkeit, einem breiten Ökosystem zusätzlicher Finanzprodukte und einer sehr schnellen Integration. Für viele digitale Geschäftsmodelle wirkt Stripe eher wie eine komplette Finanzinfrastruktur, während Adyen stärker als Payment-Kernplattform positioniert ist. Auch PayPal ist ein zentraler Wettbewerber, allerdings mit einem etwas anderen Schwerpunkt. PayPal bringt vor allem seine riesige Reichweite im Bereich der Konsumenten-Wallets und sein Markenvertrauen ein. Über Braintree konkurriert PayPal im Bereich „unbranded Payment Processing” direkt mit Adyen und Stripe. Dadurch kann PayPal sowohl über Endkundenbeziehungen als auch über Händlerservices Druck ausüben. Ein weiterer wichtiger Wettbewerbsblock sind die großen traditionellen Zahlungsinfrastrukturunternehmen wie Fiserv, FIS, Worldpay oder Global Payments. Diese Firmen konkurrieren vor allem mit ihren enormen Skaleneffekten, ihren Bankbeziehungen und ihren bestehenden Händlernetzwerken. Worldpay kann hier aufgrund seiner Größe und historischen Transaktionsdaten hohe Autorisierungsraten und eine globale Abdeckung bieten. Konsolidierungen, wie die Verbindung von Global Payments und Worldpay, zeigen, dass sich diese etablierten Unternehmen zusammenschließen, um gegenüber Fintech-Plattformen konkurrenzfähig zu bleiben. Zusätzlich gibt es eine neue Generation von Wettbewerbern aus dem Softwarebereich. Namentlich sind es Unternehmen wie Block, Toast oder Lightspeed. Sie binden Zahlungen direkt in die Software für Händler ein und schaffen so eine starke Kundenbindung. So verschiebt sich der Wettbewerb vom Preis pro Transaktion hin zum Gesamtwert der Software-Plattform.
Quelle: Entwicklungen der Kapitalisierungen der Adyen-Peer
Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch auch, dass Plattformökosysteme wie die von Apple oder Alphabet die größten Bedrohungen für Fintechs ohne tiefe Integration darstellen können. Entsprechend schwach entwickelten sich die Aktien der größten Player. Dennoch hätte sich ein Engagement über 20 Jahre gelohnt – bis auf PayPal. Über die letzten drei Jahre sind jedoch alle Akteure im Minus. Droht hier Schlimmeres? Ich denke, man muss differenzieren. Geht es nur um die reine Zahlungsabwicklung, dürften einige Anbieter Probleme bekommen. Bei Adyen zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Apple Pay und Google Wallet sind nämlich keine direkten Konkurrenten, sondern eher Gatekeeper. Sie etablieren derzeit lediglich zusätzliche Ebenen im Zahlungsökosystem und ersetzen nicht die bestehende Infrastruktur oder ganze Ökosysteme. Jede Zahlung über diese Akteure läuft weiterhin über Visa oder Mastercard bzw. über Akteure wie Adyen oder Stripe.
Quelle: Entwicklungen des Umsatzwachstums der Adyen-Peer
Die Bewertungen der Fintech-Aktien sind überaus attraktiv. Auch gemessen am Wachstum haben sie noch einiges zu bieten, wenn auch nicht mehr das ganz große Wachstum wie noch vor einigen Jahren. Einzig Adyen kann noch mit einem Umsatzwachstum im deutlich zweistelligen Bereich überzeugen. Doch auch hier zeigt sich eine stetige Verringerung des Wachstums.
In der zweiten Jahreshälfte hat Adyen gezeigt, dass das Geschäftsmodell weiterhin sehr stabil ist, wenngleich sich das Wachstum mit 17 Prozent erneut verschlechtert hat. Ursächlich hierfür war unter anderem eine Währungsschwäche. Bereinigt um diesen Effekt wurde der Umsatz immerhin um 21 Prozent gesteigert. Das Unternehmen wächst also weiterhin solide, vor allem durch den Ausbau bestehender Großkundenbeziehungen und die internationale Expansion. Gleichzeitig zeigt sich, dass Adyen operativ sehr diszipliniert arbeitet. Dies spiegelt sich in einer weiter steigenden Profitabilität und einer sehr starken Cash-Generierung wider.
Quelle: Ayden Quartalszahlen
Aus operativer Sicht war es jedoch besonders wichtig zu erkennen, dass das Transaktionsvolumen weiter gewachsen ist – selbst wenn man die Umsätze großer Einzelkunden herausrechnet. Und das tat es mit einem Anstieg des Processed Volume von 19 Prozent auf 745 Billionen Euro. Gleichzeitig entwickelt sich der stationäre Zahlungsbereich (Point of Sale) überdurchschnittlich stark. Hier lag das Wachstum bei 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf einen Wert von 173 Billionen Euro. Dies zeigt einmal mehr, dass Adyen im Omnichannel-Trend gut positioniert ist und nicht nur vom Onlinehandel abhängig ist. Sehr positiv ist außerdem die operative Qualität des Geschäfts. Die Profitabilität ist weiter gestiegen und liegt für Plattform- und Paymentunternehmen auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Der Anstieg des EBITDA betrug 23 Prozent, was einer entsprechenden Marge von 55 Prozent entspricht. Gleichzeitig wird ein sehr großer Teil des Gewinns in freien Cashflow umgewandelt. Die Free Cashflow Conversion weist weiterhin einen hohen Wert von 86 Prozent auf. Dies belegt wieder einmal, dass das Geschäftsmodell nicht nur bilanziell profitabel ist, sondern auch tatsächlich Geld generiert. Der Investitionsbedarf bleibt dabei nur moderat, was für stark skalierende Plattformmodelle typisch ist.
Strategisch hat Adyen mehrere wichtige Fortschritte erzielt. So baut das Unternehmen seine Plattform zunehmend über die reine Zahlungsabwicklung hinaus aus. Dazu gehören beispielsweise datengetriebene Conversion-Optimierungstools, Embedded-Finance-Produkte und Lösungen zur Steuerung von Geldflüssen innerhalb von Unternehmen. Besonders stark wächst mittlerweile der Bereich der eingebetteten Finanzprodukte. Auch technologisch positioniert sich Adyen klar als Plattformanbieter der nächsten Generation. Initiativen rund um KI-gestützten Commerce, Echtzeit-Datenverarbeitung und Partnerschaften mit großen Technologie- und Cloud-Unternehmen zeigen, dass Adyen versucht, sich langfristig als Infrastruktur-Layer im digitalen Handel zu etablieren und nicht nur als Payment-Provider wahrgenommen zu werden. Die aktuelle Stärke zeigt sich besonders im Enterprise-Segment. Adyen gewinnt hier weiterhin sehr große, globale Kunden hinzu und skaliert bestehende Partnerschaften schnell über viele Länder und Vertriebskanäle hinweg.
Die Prognose zeigt, dass Adyen strategisch auf eine Kombination aus solidem Wachstum und sehr hoher Profitabilität setzt. Zwar erwartet das Unternehmen in den kommenden Jahren kein extremes Hyper-Growth, dafür aber ein stabileres und planbares Wachstum auf weiterhin hohem Niveau. Konkret rechnet Adyen für das Jahr 2026 mit einem Wachstum im niedrigen zweistelligen Bereich von 20 bis 22 Prozent. Bei der Profitabilität liegt der Fokus hingegen klar auf Effizienz und Skalierung. Kurzfristig soll die operative Marge auf dem aktuell hohen Niveau von 53 % für das Gesamtjahr 2025 stabil bleiben. Mittel- bis langfristig plant Adyen jedoch, die Profitabilität weiter zu steigern. Konkret könnte das bedeuten, dass die EBITDA-Marge bis 2028 einen Wert von 55 Prozent überschreiten wird.
Quelle: Entwicklung von Kapitalrenditen und Investitionen der Adyen-Aktie
Für Investoren ist außerdem die Investitionsstrategie besonders wichtig. Adyen plant in diesem Zusammenhang weiterhin einen vergleichsweise niedrigen Kapitalbedarf im Verhältnis zum Umsatz. Das bedeutet, dass Wachstum nicht durch hohe Investitionen in die Infrastruktur oder Hardware erkauft werden muss. Stattdessen kann ein großer Teil der Cashflows im Unternehmen verbleiben oder für Expansion, Produktentwicklung oder Kapitalrückführungen genutzt werden. Dennoch zeigt sich eine tendenziell schwächere Kapitalrendite (ROCE). Positiv ist jedoch, dass durch dieses niedrige Investitionsniveau zumindest stetig steigende Erträge (EBITDA) generiert werden können. Adyen zahlt traditionell keine Dividende und tätigt auch keine Aktienrückkäufe.
Blickt man auf die Reaktion der Anleger, so kamen die Zahlen zum zweiten Halbjahr und Gesamtjahr 2025 an der Börse gar nicht gut an. Die Aktie notierte nach der Veröffentlichung mit mehr als 20 Prozent im Minus.
Quelle: AI Insights von aktien.guide
Ein zentraler Auslöser hierfür war die Kombination aus soliden, aber nicht begeisternden operativen Zahlen und einer vorsichtigen Prognose. Das Umsatzwachstum bleibt zwar strukturell stark, liegt aber eher im Bereich stabilen Wachstums als im klassischen High-Growth-Tempo. Für eine hoch bewertete Aktie reicht „gut” oft nicht aus, denn Investoren erwarten eine Beschleunigung oder zumindest Zahlen, die deutlich über den Erwartungen liegen. Wenn sie ausbleiben, kommt es schnell zu Neubewertungen. Besonders negativ aufgenommen wurde bei Adyen außerdem, dass das Transaktionsvolumen hinter den Markterwartungen zurückblieb. Da das Geschäftsmodell direkt vom Zahlungsvolumen abhängt, gilt das Transaktionsvolumen als Frühindikator für zukünftiges Umsatzwachstum. Hinzu kommt die Guidance für das Folgejahr.
Die High-Growth-Investing-Strategie (HGI) ist eine systematische Methode zur Bewertung von Technologie- oder Plattformunternehmen mit sehr starkem Wachstum. Sie ist langfristig ausgerichtet und zielt darauf ab, Unternehmen frühzeitig zu identifizieren, die später zu echten Cashflow-Maschinen werden können. Dabei werden keine klassischen Value-Kennzahlen wie das KGV genutzt, sondern vor allem Wachstums-, Skalierungs- und Effizienzkennzahlen. Ein zentrales Element der Strategie ist ein Punktesystem. Sechs Kennzahlen werden bewertet, wobei jede Kennzahl zwischen 0 und 3 Punkten liegen kann. Daraus ergibt sich ein maximaler Score von 18 Punkten. Ab etwa 12 Punkten gelten Unternehmen im HGI-Framework als sehr attraktiv – wie aktuell die Adyen-Aktie.
Quelle: HGI-Score der Adyen-Aktie
Ein HGI-Score von 15 Punkten liegt klar im oberen Bereich und signalisiert, dass das Geschäftsmodell sehr attraktiv ist, auch wenn nicht alle Wachstumskennzahlen optimal sind. Die volle Punktzahl wurde in allen Kategorien bis auf das Wachstum erreicht. Besonders hervorzuheben ist die Gross Margin von über 88 Prozent. Für HGI-Investoren ist sie ein Kernindikator für die Qualität der Plattform. Hohe Margen zeigen, dass das Geschäftsmodell sehr skalierbar ist und zusätzlicher Umsatz später stark in operative Gewinne umgewandelt werden kann. Gerade im Bereich der Payment-Plattformen ist das ein Indikator für technologische Kontrolle über den Zahlungs-Stack und geringe variable Kosten pro zusätzlicher Transaktion. Mit einem Rule-of-40-Score von über 170 Prozent ist das Unternehmen ebenfalls außergewöhnlich gut aufgestellt. Allerdings ist sie auch ein wenig verzerrt. Der Free Cashflow von 3,8 Milliarden Euro wuchs auf Basis der letzten zwölf Monate um fast 58 Prozent – vor allem da die Payables to Merchants massiv anstiegen. Dabei handelt es sich um Gelder, die Adyen für seine Händler bereits vereinnahmt hat, zum Stichtag jedoch noch nicht an sie ausgezahlt hat. Dieser Effekt muss relativiert werden. Im Vorjahr lag der Wert beispielsweise bei rund 54 Millionen Euro. Bis 2025 dürften rund eine Milliarde Euro Free Cashflow generiert worden sein, was einer Free-Cashflow-Marge von rund 40 Prozent entspricht. Konkret bezogen auf den Rule-of-40-Score bedeutet das im Fall von Adyen, dass der wahre Wert nur bei 60 Prozent liegt. Er ist aber immer noch hoch genug, um die volle Punktzahl zu erreichen. Eine hohe Free Cashflow-Marge ist ein typisches Merkmal von Firmen, die in eine Cashflow-Dominanzphase übergehen. Sehr positiv ist außerdem der extrem niedrige Verschuldungsgrad von 0,05. Er zeigt, dass das Wachstum fast vollständig aus dem operativen Cashflow finanziert wird. Für HGI-Investoren ist dies ein Qualitätsmerkmal, da Fremdfinanzierung das Risiko erhöht und das Wachstum weniger sauber macht. Auch für die beiden Bewertungskennzahlen EV/Sales und PEG-Ratio wurden drei von drei möglichen Punkten erzielt. Mit einem EV/Sales-Verhältnis von rund 6,6 wird Adyen nach dem jüngsten Abverkauf am Markt wieder höchst attraktiv bewertet. Der PEG-Wert von etwa 0,9 zeigt ebenfalls eine relativ günstige Bewertung im Verhältnis zum Wachstum. Für High-Growth-Investoren gilt: Ein PEG-Wert von etwa eins gilt als fair bewertet. Ein Wert deutlich unter eins bedeutet eine starke Unterbewertung und ein Wert deutlich über zwei eine Überbewertung. Es kommt jedoch auf das dynamische Wachstum an.
Aus HGI-Sicht ist der aktuelle Schwachpunkt jedoch klar das Umsatzwachstum. Absolut gesehen sind rund 20 Prozent Wachstum zwar gut, im klassischen High-Growth-Framework gelten jedoch 30 bis 40 Prozent als Top-Niveau. Deshalb gibt es hierfür keinen Punkt. Adyen befindet sich damit nicht mehr im frühen Hyper-Scaling-Stadium, sondern im Übergang zu stabilerem und planbarem Wachstum. Interessant ist auch die historische Wachstumsreihe. Mit fast 50 Prozent Wachstum im Jahr 2022 wird die alte Hyper-Growth-Phase deutlich.
Quelle: Umsatzerwartungen von Adyen
Mit einem Wachstum von rund 21 Prozent im Jahr 2024 und 18 Prozent für 2025 zeigt sich die neue Normalität: ein solides, wenn auch nicht mehr explosionsartiges Wachstum. Realistisch ist ein über Jahre hinaus zweistelliges Wachstum, das langfristig einstellig wird.
Aus fundamentaler Sicht ist die Bewertung der Adyen-Aktie als nicht günstig einzustufen. Zwar könnte die Aktie mit einem EV/Sales von 6,6 für ein Wachstumsunternehmen gerade noch akzeptabel sein.
Quelle: Bewertungen der Adyen-Aktie
Ein Blick auf das Umsatzwachstum zeigt jedoch, dass dies nicht zwingend zutrifft. Aktuell wächst der Umsatz zwar um rund 20 Prozent, in Zukunft werden jedoch weniger als 10 Prozent erwartet. Das ist alles andere als High-Growth-Investing. Zwar dürfte das erwartete KGV von aktuell fast 26 weiter sinken, es ist aber immer noch hoch. Wie die nachfolgende Grafik zeigt, könnte Adyen dennoch langfristig in seine Bewertung hineinwachsen.
Quelle: Entwicklungsprognosen von Gewinn je Aktie und KGV der Adyen-Aktie bis 2032
Betrachtet man das Sentiment, so lässt die Dynamik des Umsatzes jedoch stetig nach. Dies ist vor allem auf eine Sättigung des Marktes sowie eine Zunahme der Konkurrenzsituation zurückzuführen. Zunächst muss jedoch verstanden werden, warum Adyen überhaupt so hoch bewertet wurde. Das ist leicht zu begründen: Das niederländische Unternehmen gehört seit Jahren zu den profitabelsten Zahlungsplattformen weltweit. Es erzielte schon sehr früh hohe Margen und wuchs gleichzeitig exponentiell. Das Problem entsteht jedoch, wenn das Wachstum langsamer wird, während die Bewertung hoch bleibt. Genau das ist bei Adyen zuletzt passiert. Zwar meldete das Unternehmen weiterhin rund 20 Prozent Umsatzwachstum, es musste jedoch Prognosen senken, da das Wachstum im Zahlungsvolumen schwächer ausfiel als erwartet. Gleichzeitig verfehlten Umsatz und EBITDA teilweise die Analystenschätzungen. Ein wichtiger Faktor ist jedoch auch, dass der Zahlungsmarkt selbst zyklischer geworden ist. Wenn Händler weniger Umsatz machen oder sich die globalen Handelsströme verschieben, sinkt automatisch das Zahlungsvolumen. Adyen musste beispielsweise die Prognose senken, da Zölle und schwächere Handelsströme die Zahlungsaktivität einiger Kunden reduzierten. Zusätzlich zeigen Segmentdaten, dass einzelne Bereiche langsamer wachsen, etwa Online-Händler aus Asien oder der digitale E-Commerce-Bereich. All dies deutet darauf hin, dass Adyen stärker von makroökonomischen Trends abhängig ist als bisher angenommen. Verstärkt wird dieser Effekt durch den Wettbewerb. Adyen konkurriert direkt mit globalen Zahlungsriesen wie PayPal, Stripe oder Fiserv sowie mit regionalen Playern wie Worldline und Nexi. Sie kämpfen aggressiv um Marktanteile – teilweise über Preise oder Bündelangebote mit Banking-Services. Für Adyen ist das besonders relevant, da das Unternehmen bewusst eine Premium-Positionierung verfolgt. Es konzentriert sich stark auf große Enterprise-Kunden und bietet eine technisch sehr integrierte Plattform. Das Modell ermöglicht hohe Kundenbindung und Margen, begrenzt aber auch das Wachstum, da der Markt für sehr große Händler begrenzt ist. Wenn diese Kunden langsamer wachsen oder ihr Volumen verlagern, wirkt sich das sofort auf Adyen aus. Hinzu kommt ein struktureller Effekt: Mit zunehmender Größe wird Wachstum automatisch schwieriger. Adyen verarbeitet bereits riesige Zahlungsvolumina und wächst von einer hohen Basis aus. Analysten erwarten zwar langfristig weiteres Wachstum, jedoch eher im Bereich niedriger zweistelliger Raten statt Hyperwachstum.
Aus fundamentaler Sicht zählt Adyen nach wie vor zu den stärksten Plattformunternehmen im globalen Zahlungsmarkt. Das Geschäftsmodell ist hoch skalierbar, die Margen sind außergewöhnlich hoch und die Bilanz ist extrem solide. Kennzahlen wie die sehr hohe Bruttomarge, der außergewöhnlich starke Rule-of-40-Score und die praktisch nicht vorhandene Verschuldung zeigen, dass Adyen sehr effizient arbeitet. Gleichzeitig ist die Aktie aus Bewertungssicht anspruchsvoll. Multiples wie das relativ hohe EV/Sales zeigen, dass der Markt weiterhin Premiumqualität einpreist. Diese Bewertung basiert auf der Erwartung, dass Adyen langfristig strukturell wächst, Marktanteile hält und sehr profitabel bleibt. Solange diese Annahmen gelten, kann eine höhere Bewertung durchaus gerechtfertigt sein. Das zentrale Risiko für die Aktie ist jedoch ein nachlassendes Wachstum. Mit einem Umsatzwachstum von rund 20 Prozent wächst Adyen zwar immer noch solide, jedoch nicht mehr im klassischen High-Growth-Tempo. Da Wachstumsaktien stark über Zukunftserwartungen bewertet werden, reagieren Investoren verständlicherweise empfindlich auf jede Wachstumsverlangsamung. Und hiervon gab es zuletzt einige Anzeichen geopolitischer Art. Zudem wächst Adyen inzwischen von einer sehr großen Basis aus, was strukturell weiteres Beschleunigen erschwert. Der Wettbewerb bleibt ebenfalls ein wichtiger Bewertungsfaktor. Langfristig erhöhen Stripe, PayPal, klassische Payment-Infrastruktur-Player und teilweise auch Big-Tech-Wallets den Preisdruck und begrenzen möglicherweise die Margenexpansion. Dabei ist nicht nur direkter Wettbewerb im Processing relevant, sondern auch die Kontrolle über die Kundenschnittstelle durch Wallet-Ökosysteme wie Apple Pay oder Google Pay. Langfristig könnte Adyen daher eher ein Qualitäts-Compounder als eine klassische Hyper-Growth-Aktie sein. Das bedeutet: stabileres, aber langsameres Wachstum bei gleichzeitig hoher Profitabilität. Für Investoren passt die Aktie deshalb eher in ein Portfolio für hochwertige, langfristige Plattformfirmen.
Quelle: Analystenmeinungen zur Adyen-Aktie
Trotz ambitionierter Bewertung empfehlen die meisten Analysten, die Aktie zu kaufen. Konkret sind es 76 Prozent der 38 Analysten. Nur zwei Prozent der Analysten würden zum Verkauf raten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 1.836 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs entspricht dies einem Potenzial von mehr als 100 Prozent innerhalb eines Jahres. Mittelfristig läuft die Aktie seitwärts, kurzfristig liegt sie über ein Jahr gesehen mit über 50 Prozent im Minus. Ein Ausbruch kann nur mit fundamental überzeugenden Daten gelingen. Hier muss dem Unternehmen vor allem eine Trendwende hin zu mehr Wachstum gelingen. Zudem muss das Unternehmen Investoren davon überzeugen, dass es kein Verlierer auf dem Markt für digitale Zahlungsabwicklungen sein wird. Wer die Aktie grundsätzlich interessant findet, sie aber nicht zu diesem Preis unter den aufgeführten Risiken kaufen möchte, kann sich hier im aktien.guide einen Alarm stellen. Ein KGV von 25 wäre meines Erachtens ein spannender Marker, um die Aktie erneut anzuschauen.