Linear oder logarithmisch: der Unterschied einfach erklärt
Im normalen, also linearen Chart hat jeder Euro auf der Achse den gleichen Abstand. Ein Anstieg von 10 auf 20 Euro ist ein kleiner Schritt. Ein Anstieg von 100 auf 200 Euro ist ein zehnmal so großer Schritt. Dabei hat sich der Kurs in beiden Fällen verdoppelt, beides sind +100 %.
Im logarithmischen Chart hat jede Verdopplung den gleichen Abstand. 10 auf 20 sieht genauso groß aus wie 100 auf 200. Deshalb steigt die Achse nicht in gleichen Schritten, sondern zum Beispiel von 3 Mrd. über 30 Mrd. auf 300 Mrd.
Merksatz: Im linearen Chart zählt der Abstand in Euro, im logarithmischen Chart der Abstand in Prozent.
Für dich als Anleger ist meist die Prozentsicht entscheidend. Aus 1.000 Euro werden mit +100 % immer 2.000 Euro, egal ob die Aktie vorher 10 oder 100 Euro gekostet hat.
Wann der Log-Chart sinnvoll ist
Lange Zeiträume
Je länger der Zeitraum und je stärker der Anstieg, desto mehr verzerrt der lineare Chart. Frühe Jahre werden plattgedrückt, die letzten Jahre wirken übertrieben steil.
Beispiel NVIDIA und Microsoft: Wir vergleichen den Unternehmenswert der beiden über 20 Jahre (Stand 26.10.2026). Der Unternehmenswert (Enterprise Value) ist grob der Börsenwert plus Schulden minus Barmittel, also das, was das ganze Unternehmen kosten würde. Heute liegt er bei NVIDIA bei 5,14 Bio. $ und bei Microsoft bei 3,99 Bio. $.

In der linearen Ansicht scheint bei NVIDIA bis etwa 2019 nichts passiert zu sein. Die rote Linie liegt fast auf der Null. Microsoft wirkt bis 2016 ebenfalls flach.

In der logarithmischen Ansicht sieht derselbe Zeitraum ganz anders aus:
- 2008: Der Unternehmenswert von NVIDIA fiel von rund 20 Mrd. $ auf unter 3 Mrd. $, ein Minus von mehr als drei Vierteln. Im linearen Chart ist das unsichtbar.
- 2016 bis 2018: NVIDIA hat seinen Unternehmenswert von rund 10 Mrd. $ auf deutlich über 100 Mrd. $ mehr als verzehnfacht. Das ist einer der steilsten Abschnitte der ganzen 20 Jahre, linear aber kaum zu erkennen.
- Microsoft: Bis etwa 2013 eine lange Seitwärtsphase, danach ein auffällig gleichmäßiger Anstieg. Kein plötzlicher Boom, sondern über ein Jahrzehnt ein ähnliches Tempo.
Wachstum vergleichen
Im Log-Chart verrät dir die Steigung das Wachstumstempo. Eine gerade Linie heißt: gleichmäßiges prozentuales Wachstum. Wird die Linie steiler, hat sich das Wachstum beschleunigt. Wird sie flacher, hat es sich verlangsamt.
Das funktioniert auch bei Unternehmen ganz unterschiedlicher Größe. Ende 2006 war Microsoft gemessen am Unternehmenswert rund 25-mal so groß wie NVIDIA. Im linearen Chart wäre ein Vergleich des Tempos kaum möglich, im logarithmischen Chart siehst du ihn auf einen Blick.
Wann du besser die normale Ansicht nutzt
- Kurze Zeiträume und kleine Schwankungen: Über ein paar Monate unterscheiden sich beide Ansichten kaum. Die lineare Ansicht ist dann leichter zu lesen.
- Kennzahlen, die negativ oder null werden können: zum Beispiel Margen, Nettoverschuldung, Free Cashflow oder KGV. Logarithmen gibt es nur für positive Zahlen. Negative Werte und Null können im Log-Chart nicht dargestellt werden und werden ausgeblendet, im Chart entstehen dann Lücken.
- Wenn dich der Betrag interessiert: Willst du wissen, um wie viele Euro oder Dollar etwas gestiegen ist, ist die lineare Ansicht die richtige.
Neu bei aktien.guide: die logarithmische Darstellung
Die logarithmische Darstellung gibt es im Kennzahlen-Chart, also auf der Charts-Seite jeder Aktie und in der Charts-Übersicht. Dort vergleichst du den Aktienkurs und rund 40 Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Free Cashflow oder KGV für bis zu 5 Aktien oder Indizes gleichzeitig.
- Neu im Menü „Darstellung“: Neben „Original“, „Normalisiert“ und „Unterwasser“ gibt es jetzt „Logarithmisch“.
- Empfohlen für: Kurs, Marktkapitalisierung, Unternehmenswert und Umsatz.
- Mit Durchschnitten: Die 50- und 200-Tage-Linie lassen sich auch in der logarithmischen Darstellung einblenden.
Der kleine Kurs-Chart auf der Aktien-Übersichtsseite hat diese Funktion nicht.
Warum wir das gebaut haben
Wer eine Aktie über 20 Jahre betrachtet, hat im normalen Chart bisher ein schiefes Bild bekommen: Die frühen Jahre waren eine flache Linie, die letzten eine Rakete. Gerade die Phasen, in denen sich ein Unternehmen entwickelt hat, waren nicht zu sehen. Unser Anspruch bei aktien.guide ist, dass du lange Zeiträume fair vergleichen kannst, beim Kurs genauso wie bei Umsatz und Unternehmenswert. Viele von euch haben nach der logarithmischen Ansicht gefragt, jetzt ist sie da.
So schaltest du die Log-Ansicht ein
- Registriere dich kostenlos oder melde dich an. Für den Kennzahlen-Chart musst du eingeloggt sein.
- Öffne eine Aktie, zum Beispiel Amazon, und wechsle in den Bereich Charts.
- Wähle im Feld „Kennzahlen“ zum Beispiel den Unternehmenswert.
- Optional: Füge über „Vergleichen mit Aktie oder Index“ eine zweite Aktie hinzu, etwa Microsoft.
- Stelle im Menü „Darstellung“ auf „Logarithmisch“ um.
- Wähle oben rechts den Zeitraum. Je länger, desto deutlicher der Unterschied.

Häufige Fragen
Warum verschwinden manche Werte im Log-Chart?
Logarithmen gibt es nur für positive Zahlen. Wird eine Kennzahl negativ oder null, etwa ein negativer Free Cashflow, kann der Log-Chart diesen Wert nicht darstellen und blendet ihn aus. Nutze für solche Kennzahlen die Darstellung „Original“.
Kann ich die 200-Tage-Linie im Log-Chart einblenden?
Ja. Die 50- und 200-Tage-Linie funktionieren auch in der logarithmischen Darstellung, sobald der Kurs angezeigt wird.
Kostet die logarithmische Darstellung etwas?
Die Funktion selbst hat keine eigene Bezahlschranke, du musst nur eingeloggt sein. Lange Zeiträume sind gestaffelt: 10 Jahre gibt es mit Premium, 20 Jahre wie im Beispiel mit Unlimited.
Fazit
Der lineare Chart zeigt Beträge, der logarithmische Chart zeigt Tempo. Bei langen Zeiträumen und starken Anstiegen siehst du erst im Log-Chart, ob ein Unternehmen gleichmäßig gewachsen ist, sich beschleunigt hat oder abgebremst wurde. Schau dir den langfristigen Verlauf deiner Lieblingsaktie einmal in beiden Ansichten an.
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Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.